NRW-Forscher ersetzen Tierversuche durch Experimente mit Stammzellen

Düsseldorf..  „Sind Tierversuche heute schon verzichtbar? Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sagt Nein: „Obwohl heute schon viele Fragen der Wissenschaft durch den Einsatz von Zellkulturen, computergestützte Verfahren und weitere Alternativmethoden beantwortet werden können, kann auf den Einsatz von Tieren für wissenschaftliche Zwecke – unter anderem in der medizinischen Forschung – noch nicht verzichtet werden.“

Aber in NRW suchen Forscher Alternativen zum Tierversuch. Das „Centrum für Ersatzmethoden zum Tierversuch“ (CERST) in Düsseldorf ist hier Vorreiter. Es experimentiert „ethisch unbedenklich“ mit Stammzellen aus der menschlichen Haut. „Es gibt zahlreiche Substanzen und Medikamente, die in der Schwangerschaft fatale Auswirkungen auf den Fötus haben können. Diese Präparate testen wir – ohne Tiere“, erklärt Projektleiterin Ellen Fritsche. Dazu werden die menschlichen Stammzellen in einer Petrischale den Chemikalien ausgesetzt, dann beobachten die Wissenschaftler, ob sich die Zellen regelgerecht entwickeln. „Solche Tests werden Tierversuche nicht komplett überflüssig machen“, dämpft Fritsche allzu hohe Erwartungen. „Aber unsere Studien können dazu beitragen, die Zahl der Tierversuche zu reduzieren.“

Im Prinzip verläuft der Test so: Je nach Kulturlösung in der Petrischale entwickeln sich die Stammzellen zu Herzmuskelzellen oder zu Nervenzellen weiter, erklärt Fritsche. „Das ist faszinierend, die Herzzellen beginnen tatsächlich in der Schale zu schlagen.“ Mit einer speziellen Apparatur werden die elektrischen Aktivitäten der Zellen, ihre Signale, erfasst. Entwickeln sich solche Zellen im Beisein einer Chemikalie oder eines Medikaments, messen die Forscher die Veränderungen der Signale. Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass menschliche Zellen bessere Aufschlüsse über die Entwicklung und die Reaktionen des Menschen geben sollen als zum Beispiel die einer Maus oder Ratte. „Die Signalwege bei Mensch und Tier sind teilweise unterschiedlich“, erläutert Fritsche. „Es gibt Speziesunterschiede, die man im Tierversuch nicht erkennt.“ Auf der anderen Seite haben Tierversuche für die Wissenschaftler den entscheidenden Vorteil, dass die Auswirkungen einer Substanz auf einen kompletten Organismus erkennbar werden. Dies kann man mit Zellen in der Petrischale nicht nachbilden. Um belastbare Ergebnisse zu erzielen, müssten zunächst Tierversuche und die Laborforschung mit Stammzellen kombiniert werden.

In Deutschland sind Tierschutz und Forschungsfreiheit seit 2002 gleichberechtigt im Grundgesetz verankert. Versuche mit Menschenaffen gibt es seit 1991 nicht mehr.

 
 

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