NRW-Bistümer folgen Kardinal Meisner bei "Pille danach"

Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat eine Gesinnungswandel verkündet in Bezug auf die 'Pille danach' für vergewaltigte Frauen. Dieser Haltung haben sich jetzt auch die anderen vier katholischen Bistümer in NRW angeschlossen.
Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat eine Gesinnungswandel verkündet in Bezug auf die 'Pille danach' für vergewaltigte Frauen. Dieser Haltung haben sich jetzt auch die anderen vier katholischen Bistümer in NRW angeschlossen.
Foto: dpa
In katholischen Kliniken in ganz NRW sollen Vergewaltigungsopfer künftig eine "Pille danach" erhalten können. Die Bischöfe der Bistümer Essen, Aachen, Münster und Paderborn ließen am Montag verlauten, dass sie den überraschenden Gesinnungswandel des Kölner Erzbischofs Kardinal Meisner mittragen.

Essen.. Vergewaltige Frauen können künftig in katholischen Krankenhäusern in Nordrhein-Westfalen eine 'Pille danach' erhalten. Das geht aus einer Erklärung hervor, die das Katholische Büro NRW am Montag auf Anfrage dieser Zeitung bekannt gab. Demnach sieht man jetzt auch an den Spitzen der katholischen Bistümer Aachen, Essen, Münster und Paderborn die Verabreichung einer 'Pille danach' unter bestimmten Umständen als ethisch "unbedenklich" an.

Die Bischöfe der vier Bistümer folgen damit einer Erklärung, mit der der Kölner Erzbischof Josef Kardinal Meisner am vergangenen Donnerstag für Aufsehen gesorgt hatte. Meisner gab darin einen Gesinnungswandel bekannt. Erstmals stellte Meisner klar, dass bestimmte Präparate, die eine Schwangerschaft verhindern, im Falle einer Vergewaltigung seinen kirchlichen Segen hätten.

Abtreibungspillen sind an katholischen Kliniken weiterhin Tabu

Die katholische Kirche stand unter erheblichem Druck, als Mitte Januar bundesweit bekannt geworden war, dass sich im Dezember Ärzte zweier katholischer Kliniken in Köln geweigert hatten, ein Vergewaltigungsopfer zu behandeln. Grund dafür waren Bedenken, die ärztliche Behandlung hätte zwangsläufig eine Abtreitung zur Folge. Nicht nur NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) kritisierte die katholische Kirche daraufhin scharf und sah die Erfüllung des Versorgungsauftrags katholischer Kliniken in NRW gefährdet, wenn sie Vergewaltigte nicht umfassend medizinisch behandelten.

"Jetzt ist für die Zukunft für Klarheit gesorgt", heißt es nun im Katholischen Büro NRW, der Koordinierungsstelle zwischen katholischer Kirche und NRW-Landtag. Nach einem Gespräch mit der Ministerin am vergangenen Donnerstag hatte Burkhard Kämper, Justitiar und stellvertretender Leiter des Büros, die Haltung der Bistümer zur Erklärung des Kölner Erzbischofs Meisner abgefragt. Am Montagabend lag das Ergebnis vor: Die Bischöfe schließen sich der Haltung Meisners in Punkto 'Pille danach' vorbehaltlos an, sofern es sich um Präparate handele, die ausschließlich die Befruchtung der Eizelle verhindern: "Als nicht vertretbar werden nach wie vor nidationshemmende Präparate angesehen" - also sogenannte Abtreibungspillen.

"Ein wichtiges Signal für Frauen in Not"

Gesundheitsministerin Barbara Steffens wertet Meisners Erklärung "als ein wichtiges Signal zur Sicherstellung einer umfassenden Versorgung von Frauen in Not in Krankenhäusern in katholischer Trägerschaft." Dass sich nun auch die Bischöfe der anderen katholischen Bistümer in NRW dem anschließen, erspart der Ministerin weitere, auch rechtliche Schritte.

Auch im Bistum Paderborn wird die Erklärung des Kölner Kardinal Meisner als "wichtiges Signal" bewertet: "Mit der deutlichen Klarstellung ist die Verantwortlichkeit der behandelnden Ärzte gestärkt worden, dem Lebensschutz genüge getan und damit kann dem Unrecht der Vergewaltigung ärztlich, kriminologisch und seelsorglich gewissenhaft begegnet werden", erklärt Bistumssprecher Ägidius Engel. Die Bedeutung der Kölner Erklärung will man aber nicht allzu hoch bemessen: Meisners Erklärung "bedeutet keine Neuausrichtung der katholischen Morallehre."

Bischofskonferenz setzt "Vorfall in Köln" auf die Tagesordnung

Im Bistum Aachen mag man die Worte Meisners ebenfalls nicht als 'revolutionär' betrachten: "Es gibt im Bistum Aachen keine bischöfliche Handlungsanweisung für die katholischen Kliniken zum Umgang mit der "Pille danach". Das Bistum Aachen ging bislang und geht auch weiterhin davon aus, dass das Thema sorgfältig und sensibel zwischen den Verantwortlichen in den Kliniken besprochen wurde und geklärt ist", erklärt Sprecher Franz Kretschmann auf Anfrage. 22 Krankenhäuser in katholischer Trägerschaft gibt es im Bistum, davon haben acht eine Geburtsstation. Kretschmann: "Die Frauen bekommen in den katholischen Krankenhäusern des Bistums Aachen die medizinische Hilfe, die sie benötigen. Vergewaltigungsopfer erhalten die erforderliche medizinische Versorgung und eine psycho-soziale Begleitung."

Beim Verbund der katholischen Kliniken Düsseldorf kann sich unterdessen Sprecher Martin Schicht mit Blick auf das vergangene Jahr an keinen Fall erinnern, in dem eine Vergewaltigung die Beschäftigung mit dem Thema 'Pille danach' nötig gemacht hätte. Derartige Präparate halte man ohnehin, wegen des kirchlichen Hintergrunds, nicht vor. Ob sich das nun in Bezug auf bestimmte Medikamente ändere, konnte Schicht auf Anfrage nicht sagen.

Zu den Akten gelegt wird das Thema 'Pille danach' bei der katholischen Kirche jetzt allerdings noch nicht. Im Bistum Paderborn beispielsweise ist der diözesane Ethikrat nach wie vor mit der Fragestellung befasst, sagt Bistumssprecher Ägidius Engel. Zudem werde der "Vorfall in Köln" auch das Spitzengremium der katholischen Kirche in Deutschland beschäftigen: Auf der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz "wird es auf die Tagesordnung kommen."

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