NRW-Arbeitsmarkt muss 70.000 Flüchtlinge integrieren

Wilfried Goebels und Tobias Blasius
Der Arbeitsmarkt in NRW muss allein 2015 70.000 Neubürger verkraften. Ein 72 Millionen Euro schweres Sonderprogramm für Flüchtlinge soll helfen.

Düsseldorf. Angesichts der mehr als 200 000 Flüchtlinge in diesem Jahr legt die NRW-Landesregierung ein Sonderprogramm zur besseren Integration der Menschen auf. Mit insgesamt 72 Millionen Euro Landesmitteln sollen 2016 kurzfristig und unbürokratisch zusätzliche Investitionen und Personalstellen in Kitas, Familientreffs, Sport- und Begegnungsstätten für das Zusammenleben von Alt- und Neubürgern gefördert werden.

Nach Angaben von NRW-Bauminister Michael Groschek (SPD) kann mit dem Extrageld nicht nur das bürgerschaftliche Engagement vor Ort unterstützt werden. Kommunen können auch weitere Betreuungseinrichtungen für den Zuzug der Flüchtlinge schaffen.

NRW will Zusammenhalt der Menschen unterstützen

Finanzschwache Kommunen erhalten bis zu 90 Prozent Fördersatz, reichere Gemeinden 70 Prozent. Eine Jury wird Anträge am 15. März auf ihre Förderfähigkeit prüfen. Der Minister versprach sich vom Aufbau zusätzlicher Begegnungsstätten auch einen Beitrag zur Mobilisierung von Leerständen in Innenstädten.

Ziel ist es aus Sicht des Ministers, in Stadtteil-Quartieren und Nachbarschaften den Zusammenhalt der Menschen zu unterstützen. Dabei sollen Stadtteilbüros den Aufbau selbsttragender Bürgerinitiativen begleiten. „Wir fördern Steine und Menschen“, stellte Groschek klar. Gerade gewachsene Stadtteile erlebten durch den Zuzug von Flüchtlinge starke Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur. Neben der Schaffung von Sozialwohnungen müsse deshalb auch die soziale Betreuung durch qualifiziertes Personal gestärkt werden.

NRW muss 70.000 Flüchtlinge integrieren

Nach Angaben der NRW-Arbeitsagentur müssen rund 70 000 Flüchtlinge im erwerbsfähigen Alter in den NRW-Arbeitsmarkt integriert werden. Dies sei eine „überschaubare Zahl“, sagte die Regionalchefin der Arbeitsagentur, Christiane Schönefeld, am Montag bei einer Flüchtlingskonferenz im Wirtschaftsministerium. Metall-Arbeitgeberpräsident Arndt Kirchhoff drückte aufs Tempo, um die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt zu beschleunigen: „Es ist wichtig, dass wir schnell sind und unbürokratisch vorgehen.“ Eine Großzahl der Flüchtlinge verfüge über keine vergleichbare Ausbildung, die eine rasche Festanstellung ermögliche.

NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) will dennoch vorerst an der umstrittenen „Vorrangprüfung“ festhalten, nach der eine offene Stelle vor der Besetzung mit einem Flüchtling zunächst Langzeitarbeitslosen angeboten werden muss.