NRW-AfD-Chef Pretzell nennt Kirche „Asylindustrieverband“

Geht die katholische Kirche mit drastischen Formulierungen frontal an: der nordrhein-westfälische AfD-Vorsitzende Marcus Pretzell.
Geht die katholische Kirche mit drastischen Formulierungen frontal an: der nordrhein-westfälische AfD-Vorsitzende Marcus Pretzell.
Foto: dpa
Der Streit zwischen katholischer Kirche und AfD nimmt an Schärfe zu. Ein Landeschef der Partei griff nun zu drastischen Formulierungen.

Berlin/Leipzig. Der Streit um die Absage des Katholikentags an eine Diskussion mit einem AfD-Politiker nimmt an Schärfe zu. Der nordrhein-westfälische AfD-Chef und Europaabgeordnete Marcus Pretzell bezeichnete auf Twitter die katholische Kirche als „Asylindustrieverband“, der das Gespräch wegen der Angst vor „Geschäftsschädigung“ ablehne. Pretzell ist auch der Lebensgefährte der AfD-Bundesvorsitzenden Frauke Petry.

Die Organisatoren des Katholikentags, der am Mittwoch in Leipzig eröffnet wurde und der noch bis zum Sonntag dauert, hatten im Vorfeld des Treffens einer Diskussion mit Vertretern der rechtspopulistischen Partei eine Absage erteilt. Die AfD sei eine „unchristliche“ Partei, so Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der Katholiken. Er hatte der AfD in der Flüchtlingsfragen eine menschenverachtende Haltung vorgeworfen.

„Unterm Deckmantel der Nächstenliebe“

Die Äußerung Pretzells reiht sich nun ein in eine Kette von kirchenkritischen Attacken aus der AfD. Zuvor hatte der bayerische AfD-Vorsitzende Petr Bystron der katholischen und der evangelischen Kirche vorgeworfen, über ihre Wohlfahrtsverbände „unter dem Deckmantel der Nächstenliebe“ ein Milliardengeschäft mit der Flüchtlingskrise zu machen. Die katholische Kirche reagierte empört.

Bystron unterstellte den großen Kirchen, sie hätten aus kommerziellen Gründen ein großes Interesse an weiterer Flüchtlingszuwanderung. „Die vordergründig propagierte Flüchtlingsfreundlichkeit finanziert zugleich eine gigantische Wohlfahrtsindustrie unter dem organisatorischen Dach der Kirchen“, schrieb Bystron in einem Beitrag der „Huffington Post“. Kirchliche Organisationen und Unterorganisationen nutzten zur Gewinnmaximierung oft die Hilfsbereitschaft unbezahlter Ehrenamtlicher über Monate aus, während sie Kommunen, Land und Bund für Aufbau und Betrieb von Flüchtlingsunterkünften saftige Rechnungen präsentierten. Bystron verlangte ein „Ende der Kirchensubventionierung durch Steuergelder“.

Berliner Erzbischof Koch: „Ziemlich unverschämt“

Kirchliche Träger etwa von Flüchtlingsheimen erhalten genau wie andere Betreiber Geld vom Staat. In den Kirchen gibt es aber auch eine Vielzahl von anderen Initiativen, Flüchtlingen bei der Integration zu helfen: So stellten Kirchengemeinden tausende Unterkünfte sowie Räume für Freizeit- und Beratungsangebote bereit.

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch reagiert erbost auf die Äußerungen: „Ich finde das ziemlich unverschämt.“ Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, erklärte dazu in Leipzig am Rande des Katholikentages: „Das unreflektierte Gerede von Herrn Bystron weise ich zurück. Es ist ein mit keinem einzigen Faktum belegtes Gequatsche, das wenig von einer sachlichen Diskussion zeugt. Wer so entgleist, schlägt allein 200.000 ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe der Kirchen Tätigen ins Gesicht.“ (mit dpa)

 
 

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