Notlandung nach Giftgasen im Cockpit

Die Lufthansa-Tochter Germanwings steht unter einem schwerem Verdacht: Die Fluglinie soll den Beinaheabsturz eines Airbusses über dem Köln/Bonner Flughafen vertuscht haben.
Die Lufthansa-Tochter Germanwings steht unter einem schwerem Verdacht: Die Fluglinie soll den Beinaheabsturz eines Airbusses über dem Köln/Bonner Flughafen vertuscht haben.
Foto: dapd
Schwere Vorwürfe gegen Germanwings: Die Lufthansa-Tochter soll einen Beinaheabsturz einer ihrer Airbus-Maschinen vertuscht haben. Angeblich wurden bei einem Flug im Dezember 2010 giftige Gase ins Cockpit gesaugt worden, wodurch die Besatzung kurz vor der Ohnmacht stand.

Köln.. Die Lufthansa-Tochter Germanwings steht unter einem schwerem Verdacht: Die Fluglinie soll über einen Zeitraum von mindestens einem Jahr den Beinaheabsturz eines Airbusses A 319 über dem Köln/Bonner Flughafen vertuscht haben.

Am 19. Dezember 2010 waren kurz vor der Landung giftige Gase ins Cockpit gesaugt worden. Der Jet war mit 149 Passagieren besetzt und kam aus Wien. Die Gase hatten die zweiköpfige Besatzung bis kurz vor das Stadium einer Ohnmacht betäubt. Nach zehnminütigem dramatischen Ringen gegen die Besinnungslosigkeit gelang dem 35-jährigen Kapitän die Notlandung, kurz bevor der Jet mit rund 400 Stundenkilometern auf der Piste des Airports aufgeschlagen wäre. Von der Dramatik der Lage erfuhr die zuständige Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) erst knapp ein Jahr später aus einer anderen Quelle. Sie eröffnete eine Untersuchung, befragte Zeugen und hat jetzt den Zwischenbericht veröffentlicht. Danach sind wichtige Beweisstücke nie gesichert worden. Weder wurden der Flugschreiber ausgewertet noch der Voicerecorder, der Cockpit-Gespräche aufzeichnet.

Während Germanwings gestern noch behauptete, die Sicherheit sei nie gefährdet gewesen, stellt sich die Lage in dem Report völlig anders dar. Dort ist zunächst von „Übelkeit“ der Piloten die Rede, einem Taubheitsgefühl in Armen und Beinen, einem eingeschränkten Gesichtsfeld und schwindenden Sinnen. Später stellte sich heraus, dass bei beiden Piloten der Sauerstoffgehalt des Blutes deutlich unter der Norm lag. Die Passagiere bemerkten von allem nichts.

Eventuell Enteisungsmittel ins Cockpit gelangt

Ursache: Möglicherweise waren Restpartikel des Glykols, mit dem der Jet in Wien enteist worden war, ins Cockpit gelangt. Die Pilotenvereinigung Cockpit spricht aber davon, dass Öl aus dem Triebwerk schuld sein könnte.

Damit bekommt der Vorgang politische Brisanz. Im Bundestag verlangen die Grünen seit drei Jahren gemeinsam mit Experten Maßnahmen gegen die Kontaminierung der Innenluft von Jets wie den Einbau von Sensoren und Giftfiltern zu ergreifen. Das wurde von Regierung wie Luftfahrtbranche stets als unnötig abgewiesen.

EURE FAVORITEN

Weitere interessante Artikel