Nordrhein-Westfalen will Hotline gegen Salafismus ausbauen

Sigrid Krause
Friederike Müller ist Geschäftsführerin des Vereins für multikulturelle Kinder- und Jugendhilfe - Migrationsarbeit (Ifak). Gemeinsam mit Innenminister Ralf Jäger (SPD) stellte sie Ergebnisse des Bochumer Modellversuchs gegen gewaltbereiten Salafismus vor.
Friederike Müller ist Geschäftsführerin des Vereins für multikulturelle Kinder- und Jugendhilfe - Migrationsarbeit (Ifak). Gemeinsam mit Innenminister Ralf Jäger (SPD) stellte sie Ergebnisse des Bochumer Modellversuchs gegen gewaltbereiten Salafismus vor.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Nach ersten guten Erfahrungen in Bochum will das Land ein Präventionsprojekt ausweiten, das junge Leute vor einem Abrutschen in den Salafismus bewahren soll. Ab 2015 soll es das Projekt „Wegweiser in NRW“ auch in Köln, am Niederrhein sowie im Bergischen Land geben, sagte Innenminister Ralf Jäger (SPD) in Bochum. Seit April begleitet eine interkulturelle Jugendhilfeeinrichtung junge Leute, die Gefahr laufen, in die militante Salafistenszene zu geraten.

Bochum. Vor sechs Monaten sind drei „Wegweiser“-Präventionsprojekte gestartet, die junge Muslime in Bochum, Bonn und Düsseldorf vor dem Abdriften in einen ­fanatischen Salafismus bewahren sollen. Dass das geht, belegen erste Ergebnisse in Bochum.

NRW-Innenminister Ralf Jäger zog hier am Mittwoch eine erste Bilanz des bundesweit einzigartigen Modells. „Ich bin stolz auf das Projekt ,Wegweiser – gemeinsam gegen gewaltbereiten Salafismus’, weil es an der richtigen Stelle ansetzt“, sagte Jäger. Wirksamer als jedes Aussteigerprogramm sei, junge Leute vor dem Einstieg in die gewaltbereite Szene abzuhalten. 40 Anrufe pro Woche verzeichnen die drei Standorte.

Der Bochumer Verein für multikulturelle Kinder- und Jugendhilfe und Migrationsarbeit (Ifak e.V.) hat das „Wegweiser“-Projekt mit entwickelt. Seit April gingen hier 30 Anfragen über die Hotline ein. „Meist melden sich besorgte Lehrkräfte“, sagte Ifak-Geschäftsführerin Friederike Müller. Die alarmiert sind, wenn Jugendliche plötzlich keiner Frau mehr die Hand geben oder nicht mehr mit Mädchen in einer Klasse sitzen wollen. Die sich anders kleiden oder auf dem Schulhof Handy-Videos vom Dschihad in Syrien herumzeigen.

Versiert auch in Glaubensfragen

In solchen Fällen müsse man schnell klären: Was steckt hinter diesen Veränderungen? Radikalisiert sich ein junger Mann? Oder fühlt er sich alleingelassen mit Konflikten in der Klasse, in der Familie, mit seiner Zukunftsangst?

Sechs junge Männer, 15 bis 18 Jahre alt, werden in Bochum von zwei Sozialarbeitern individuell betreut. Beide sprechen Türkisch und Arabisch und verfügen über fundierte Islam-Kenntnisse. Mit vier weiteren Jugendlichen gab es erste Gespräche; jetzt klären die Fachleute, wie die weitere Zusammenarbeit mit den Jugendlichen, ihren Familien oder den Schulen aussehen soll.

Rund 600.000 Euro investiert das Land in diesem Jahr in die drei Standorte, weitere Anlaufstellen sind für die „salafistischen Hotspots“ Köln, Duisburg/Dinslaken und das Bergische Land geplant. Der Ausbau werde am Geld „sicher nicht scheitern“, kündigte Jäger an.