Noch stehen Zeichen auf Wachstum

Essen..  Meist ist es eine Frage der Diskretion: Kreditinstitute neigen nicht gerade zur übertriebenen Selbstauskunft. Redseligkeit gehört kaum zum Verhaltenskodex von Sparkassen und Volksbanken. Wenn sich das Geschäftsklima eintrübt, dann bespricht man das unter Bankern meist hinter vorgehaltener Hand. So war es auch bei der Recherche dieser Zeitung zur aktuellen Lage der in unserer Region führenden Geldinstitute. Zwar fiel in dem einen oder anderen Gespräch der Satz, dass die anhaltende Zinsflaute das Geschäft mit dem Geld nicht eben erleichtert und auf Dauer durchaus zu Problemen führen könnte. Noch aber stehen die Zeichen der klassischen Filialbanken offenbar auf Wachstum. Ein Überblick.

Bochum, Witten

Wie fast überall ist die Sparkasse mit weitem Abstand Marktführer in Bochum. Auf 325 000 Kunden kommt das Geldinstitut. Über das Geschäftsjahr 2014 gibt es bislang erst vorläufige Zahlen. Danach stieg die Bilanzsumme von 5,67 auf 5,89 Milliarden Euro. Die Kundeneinlagen kletterten um 160 Millionen Euro auf 4,58 Milliarden. Mit 722,2 Millionen wurden auch deutlich mehr Kredite bewilligt als im Vorjahr (681 Millionen). „Die Sparkasse Bochum ist mit dem Geschäftsjahr 2014 zufrieden“, hieß es dazu lapidar. Die Volksbank Bochum Witten (60 000 Kunden) mit Filialen auch in Herne und Sprockhövel hat noch keine Zahlen für 2014, aber eine Einschätzung: „Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung im letzten Jahr“, sagte Marketing-Chef Thomas-Josef Schröter dieser Zeitung.

Essen

Auch die Essener Sparkasse liegt auf Wachstumskurs: Gegenüber 2013 stieg bei der nach Umsatz sechstgrößten NRW-Sparkasse (300 000 Kunden) die Bilanzsumme um 1,3 Prozent auf acht Milliarden Euro. Die Kundeneinlagen wuchsen um 4,15 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro. Dank der Niedrigzinsen zog besonders das Kreditgeschäft an. Einen Rekord gab es bei der Baufinanzierung (plus acht Prozent). Die Geldpolitik der Notenbanken stelle die Sparkasse dennoch „vor immer neue Herausforderungen“, so Vorstandschef Hans Martz. Ihr dichtes Filialnetz (53) will die Sparkasse derzeit nicht weiter ausdünnen. Gute Zahlen auch bei der zum Kreis der Volksbanken gehörenden Geno-Bank. Die Spareinlagen erhöhten sich um 24 Millionen auf 795 Millionen Euro. Das Firmenkreditgeschäft legte um 13 Prozent zu.

Duisburg

Auch in Duisburg liegen die Geschäftsberichte noch in den Schubladen. Die Sparkasse – mit über 260 000 Girokonten, 40 Filialen und rund 1200 Mitarbeitern größtes Kreditinstitut der Ruhr-Metropole – blickt aber „zufrieden auf das abgelaufene Geschäftsjahr“ zurück, sagte ein Unternehmenssprecher. Filialschließungen seien „aktuell kein Thema“.

Dortmund

Die Dortmunder Sparkasse (Bilanzsumme 2014: 8,3 Milliarden Euro, 1850 Beschäftigte), steigerte ihre Kreditvolumen um 353 Millionen Euro auf 5,7 Milliarden. Noch mehr neue Kredite konnte die Volksbank der größten Ruhrgebietsstadt (Bilanzsumme: 6,55 Milliarden Euro) zusagen: 814 Millionen Euro.

Rhein-Ruhr

Auf Erfolgskurs segelt die Sparda Bank West. Das NRW-Geldinstitut mit Sitz in Düsseldorf hat über die Hälfte seiner 72 Filialen und rund 250 000 Kunden im Ruhrgebiet. Kundeneinlagen und Kreditbestand wachsen seit Jahren kontinuierlich. Auch bei der Sparkasse Mülheim (Bilanzsumme 2014: 2,8 Milliarden) und der Volksbank Ruhr Mitte in Gelsenkirchen (Bilanzsumme: 1,94 Milliarden) liegen alle Kennziffern im Aufwärtstrend. Zufrieden mit der Entwicklung ist auch die Sparkasse Bottrop. Die erste Anhebung der Kontoführungsgebühren seit zwölf Jahren habe nichts mit der aktuellen Geldmarktsituation zu tun, sondern sei ein längst überfälliger Schritt, sagte ein Sparkassen-Sprecher dieser Zeitung.

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