Eklat im EU-Parlament – Abgeordneter Nico Semsrott: „Die Stimmung war sehr aggressiv“

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Im EU-Parlament ist es am Mittwoch zu einem Eklat gekommen: Die Verwaltung des EU-Parlaments soll einen Auftritt des Satirikers und EU-Abgeordneten Nico Semsrott rabiat unterbunden haben.

Der Politiker der Satire-Partei „Die Partei“, der der Grünen-Fraktion im Parlament angehört, sagt: „Mit massivem Sicherheitsaufwand und Einschüchterungsversuchen gegenüber meinem Team wurde mein Auftritt heute verhindert.“

EU-Parlament - Nico Semsrott: „Plötzlich wurde die Genehmigung zurückgezogen“

Gestern hatte Semsrott eine „Penny-Pinching PowerPointPresentation“ (übersetzt etwa: „Geizhals-Powerpoint-Präsentation“) im EU-Parlament angekündigt. Das sei ein„Meilenstein in der europäischen Geschichte“ versprach der Politiker. Worum genau es dabei gehen sollte, ist bis jetzt nicht klar.

Vor einer Woche sei die Veranstaltung, zu der auch die Presse geladen war, angemeldet worden. „Zwei Stunden vor dem Auftritt wurde die Genehmigung zurückgezogen“, so Nico Semsrott.

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Gegenüber unserer Redaktion sagte er: „Ich wollte heute eine knapp zehnminütige Powerpoint-Präsentation halten. Wir hatten bereits letzte Woche den entsprechenden Ort im Parlament dafür gebucht und auch letzte Woche Freitag einen Technik-Check dazu gehabt.“

Der Zeitslot sei zwischen 14 bis 15.15 Uhr gewesen, Semsrott habe seine sogenannte Vox-Box im Parlament gebucht, eine Art Multimediaraum. „Um 12.03 Uhr hat meine Pressesprecherin von der Vox-Box heute eine Mail erhalten, dass wir den gebuchten Ort nicht nutzen dürften.“

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Nico Semsrott:

  • 1986 in Hamburg geboren
  • Seit 2007 Auftritte als Satiriker und „Demotivationstrainer“
  • 2019 trat er für „Die Partei“ bei der Europawahl an
  • Nach der Wahl trat er der Grünen-Fraktion im Parlament bei

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EU-Parlament: Von Sicherheitsleuten umstellt

Die Begründung: Der Raum sei nur für audiovisuelle Aktionen vorgesehen, die von akkreditierten Medien angefragt worden seien. Über die plötzliche Absage wundere er sich.

Als er und sein Team sich auf die Suche nach Alternativmöglichkeiten gemacht hätten, sei die Lage eskaliert. „Schließlich kamen Personen vom Sicherheitspersonal und sagten uns, dass wir nicht an diesem Ort sein dürften.“ Sein Team sei von den Sicherheitsleuten regelrecht umstellt worden, die Stimmung sei sehr aggressiv gewesen. Es habe immer neue Begründungen dafür gegeben, warum das Team nicht vor Ort sein dürfe.

„Wir haben nach langen Diskussionen schließlich abgebaut“, so Semsrott.

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Nico Semsrott: Eklat im Europa-Parlament

Beobachter vor Ort bestätigen die Schilderungen. „Spiegel“-Korrespondent Peter Müller schreibt bei Twitter: „Skandal! Verwaltung des EU-Parlaments unterbindet Auftritt von Satiriker Nico Semsrott - erst wird Nutzungserlaubnis für technisches Gerät entzogen, dann läuft Sicherheit auf. Semsrott drängt auf klärendes Gespräch mit EP-Präsident Sassoli. “

Parlamentsverwaltung äußert sich nicht

Das Europäische Parlament äußerte sich auf Anfrage zu den Ereignissen: „Die Verwaltung des Europäischen Parlaments hatte Herrn Semsrott bereits vor dem geplanten Event mitgeteilt, dass die angefragte Stand-up Position in einem Verbindungsgang des Hauptgebäudes nur für Interviews gebucht werden kann“, teilte ein Sprecher mit.

Veranstaltungen in den öffentlichen Teilen des EU-Parlaments müssen nach Überprüfung der geltenenden Regeln autorisiert werden. Nico Semsrott habe für seine Veranstaltung keine Genehmigung dafür angefragt.

Die Security habe den Satiriker daraufhin gebeten, seine Veranstaltung abzubrechen, da diese nicht autorisiert war. Daraufhin habe man dem „Die Partei“-Abgeordneten Alternativen für die Organisation seiner Veranstaltung angeboten.

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Nico Semsrott: „Da wird gelogen“

Semsrott widerspricht der Darstellung gegenüber unserer Redaktion. Es habe keine Alternativangebote gegeben. „Man muss es ganz klar sagen: Da wird gelogen“, so Semsrott. Er glaubt, jemand habe seinen Auftritt schlicht verhindern wollen.

Worum genau es in seiner „PPPPP" genannten Aktion gehen sollte, will er nicht verraten: „Ich werde die Powerpoint-Präsentation auf jeden Fall nachholen.“

 
 

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