Neuer Streit um Holocaustleugner Williamson

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Steht wegen Volksverhetzung vor dem Landgericht Regensburg: Holocaust-Leugner Richard Williamson. (Foto: ap)
Steht wegen Volksverhetzung vor dem Landgericht Regensburg: Holocaust-Leugner Richard Williamson. (Foto: ap)
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Regensburg. Die erzkonservative Piusbruderschaft droht ihrem umstrittenen Bischof Richard Williamson mit Rauswurf. Grund: Williamson ist der Volksverhetzung angeklagt und soll sich vor Gericht von einem Rechtsanwalt mit NPD-Hintergrund vertreten lassen.

Der Holocaust-Leugner Richard Williamson von der erzkonservativen Piusbruderschaft hat nach „Spiegel“-Informationen für das Berufungsverfahren wegen Volksverhetzung vor dem Landgericht Regensburg einen rechtsextremen Anwalt engagiert. Wolfram Nahrath war laut Vorabbericht des Nachrichtenmagazins vom Samstag letzter „Bundesführer“ der 1994 verbotenen Wiking-Jugend und ist heute NPD-Mitglied. Einst habe er ein Praktikum beim inzwischen gestorbenen Neonazi-Anwalt Jürgen Rieger absolviert.

Die um Aussöhnung mit dem Vatikan bemühte Piusbruderschaft droht dem umstrittenen Bischof Williamson nun mit Rauswurf. Sie werde die Beauftragung eines Neonazi-Anwalts nicht akzeptieren, sagte Generalsekretär Christian Thouvenot dem „Spiegel“. Dies werde zwangsläufig zur Trennung von Williamson führen. Der britische Bischof wurde dem Magazin zufolge aufgefordert, seine Berufung vor Gericht zurückzuziehen und das Urteil vom Frühjahr zu akzeptieren.

Williamsons bisheriger Verteidiger Matthias Loßmann und sein Mandant hatten sich kürzlich getrennt. „Es ist in beidseitigem Einverständnis geschehen“, sagte Loßmann. Sein Nachfolger beantragte dem Magazin zufolge vergangene Woche in Regensburg eine Verschiebung der für Ende November terminierten Verhandlung, um sich in die Akten einlesen zu können.

Der britische Bischof Williamson war im April vom Amtsgericht Regensburg wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro verurteilt worden. Sein Verteidiger hatte einen Freispruch gefordert, die Staatsanwaltschaft eine höhere Geldstrafe. Gegen das Urteil hatten beide Berufung eingelegt.Williamson hatte in einem Fernsehinterview des schwedischen Senders SVT gesagt, er glaube nicht, dass es im Dritten Reich Gaskammern gegeben habe. Daher seien seiner Meinung nach auch nicht sechs Millionen Juden als „vorsätzliche Strategie Adolf Hitlers“ vergast worden. Er glaube vielmehr, dass zwei- oder dreihunderttausend Juden in den Nazi-Konzentrationslagern ums Leben gekommen seien. (dapd)