Neue Pressekarten für mehrere US-Reporter in China

Beobacher vertreten die Ansicht, Chinas Präsident Li Xinping (l., hier im Gespräch mit US-Präsident Barack Obama) führe gegen ausländische Journalisten "eine der schärfsten Unterdrückungskampagnen seit mehr als zwei Jahrzehnten" an.
Beobacher vertreten die Ansicht, Chinas Präsident Li Xinping (l., hier im Gespräch mit US-Präsident Barack Obama) führe gegen ausländische Journalisten "eine der schärfsten Unterdrückungskampagnen seit mehr als zwei Jahrzehnten" an.
Foto: rtr
Wochenlang drohte zwei Dutzend US-Journalisten die Ausweisung aus China. Überraschend erhielt ein Großteil von ihnen jetzt doch eine neue Akkreditierung. Aber einige "New York Times"-Reporter müssen weiter bangen. Auch fehlen immer noch die nötigen Visa.

Peking.. Nach langer Verzögerung hat Chinas Außenministerium einer Reihe von US-Journalisten doch noch die Akkreditierung für das kommende Jahr verlängert. Alle Reporter der Nachrichtenagentur Bloomberg und einige der "New York Times" hätten am Donnerstag ihre Pressekarten erhalten, teilte der Auslandskorrespondentenclub (FCCC) in Peking mit. Andere Korrespondenten der "New York Times" warten allerdings weiter auf ihre neue Arbeitserlaubnis.

Der Presseausweis ist eine wichtige Voraussetzung, um auch die Visa für 2014 bei der Polizei beantragen zu können. "Wir haben alle unsere Pressekarten in China bekommen und arbeiten normal weiter", teilte eine Bloomberg-Sprecherin mit. Der FCCC äußerte die Hoffnung, dass alle betroffenen US-Journalisten damit am Ende auch tatsächlich ihre Aufenthaltserlaubnis verlängert bekommen.

China hatte trotz Intervention Washingtons an höchster Stelle bisher die Pressekarten und Visa für zwei Dutzend US-Journalisten beider Medienhäuser zurückgehalten. Hintergrund ist offenbar die Verärgerung in Peking über deren Berichte über die großen Reichtümer der Familien chinesischer Führer, wie chinesische Beamte zu erkennen gaben. Eine offizielle Begründung gab es bislang aber nicht.

Versuch der Einschüchterung vermutet

"Wir hoffen, dass diese Entwicklung bedeutet, dass die "New York Times"-Reporter, die weiter auf ihre Pressekarten warten, diese bald erhalten und alle Korrespondenten, deren Visaverfahren laufen, tatsächlich eine Aufenthaltserlaubnis für 2014 bekommen", hieß es in der Erklärung des Auslandskorrespondentenclubs. Die Polizei hatte bisher auch die Bearbeitung von Visa-Anträgen verweigert und so verhindert, dass Fristen eingehalten werden konnten.

Die beispiellose Verschleppung der Arbeitserlaubnis von so vielen Journalisten auf einmal werteten Beobachter als "Versuch der Einschüchterung". "Der Angriff auf ausländische Medien zeigt, dass Präsident Xi Jinping eine der schärfsten Unterdrückungskampagnen in China seit mehr als zwei Jahrzehnten anführt", sagte der kritische amerikanische China-Kenner Gordon Chang.

Pekings Haltung zur Kontrolle der öffentlichen Meinung habe sich deutlich verhärtet, sagte auch der Medien-Experte David Bandurski vom "China Media Project" an der Universität Hongkong der Nachrichtenagentur dpa. Aufgrund der sozialen Medien werde die Zensur immer schwerer. "Es geht nicht mehr nur um die Kontrolle der heimischen Berichte auf Chinesisch", sagte Bandurski. "Die Mauer zwischen internationalen und heimischen Berichten über China fällt."

Schädliche Informationen an der Quelle stoppen

Berichte über große Reichtümer der Familien von Spitzenpolitikern aus dem Ausland erreichten das chinesische Publikum in Minuten. "Die Führung packt das Problem im Moment damit an, dass gedroht wird, schädliche Informationen schon an der Quelle zu stoppen", sagte der Experte. Ausländischen Journalisten werde es schwer, wenn nicht gar unmöglich gemacht, diese Geschichten eingehend zu recherchieren.

Die Partei betrachte die Meinungsführerschaft "als Frage von Leben und Tod". "Es gibt keinen Spielraum für Kompromisse." In der Partei sei die Rede davon, dass die Führer "ihre Schwerter zeigen" müssten, sagte Bandurski. In ihrer Reaktion auf die Ausstellung der neuen Pressekarten äußerte der Auslandskorrespondentenclub die Hoffnung, dass endlich auch die Reporter Chris Buckley und Phil Pan von der "New York Times", denen seit mehr als einem Jahr eine Akkreditierung verweigert wird, die Erlaubnis bekommen, in China arbeiten zu können. (dpa)

 
 

EURE FAVORITEN