Mutmaßlicher deutscher Taliban-Kämpfer aus Lünen soll geisteskrank sein

Der Angeklagte Josef D. (re.) muss sich wegen Terrorverdachts vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht verantworten.
Der Angeklagte Josef D. (re.) muss sich wegen Terrorverdachts vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht verantworten.
Foto: dpa
Ein mutmaßlicher deutscher Taliban sitzt seit Montag wegen Terrorverdachts in Düsseldorf auf der Anklagebank. Der 31-Jährige soll 2009 ins afghanisch-pakistanische Grenzgebiet gereist sein, um an Taliban-Kämpfen teilzunehmen. Jahre später wurde er am Sterbebett seines Vaters festgenommen. Der Angeklagte soll geisteskrank sein.

Düsseldorf. Ein mutmaßlicher deutscher Taliban muss sich seit Montag wegen Terrorverdachts vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht verantworten. Der 31-Jährige aus Lünen hat laut Bundesanwaltschaft der ausländischen Terrorgruppe "Deutsche Taliban Mudschahedin" (DTM) angehört. Es gebe Anhaltspunkte dafür, dass er geisteskrank sei, erklärten seine Anwälte am Montag am Rande des Prozessauftakts. Bei der Untersuchung durch einen psychiatrischen Sachverständigen hätten sich Hinweise auf eine schwere psychische Erkrankung ergeben.

Josef D. (31) soll Mitte Juni 2009 ins afghanisch-pakistanische Grenzgebiet gereist sein, um sich an den Kämpfen in Afghanistan zu beteiligen, so die Bundesanwaltschaft in ihrer Anklage. Die "Deutschen Taliban Mudschahedin" hätten aus acht bis zwölf aus Deutschland stammenden islamistischen Kämpfern bestanden.

Angeklagter soll wegen Krankheit nur als Logistiker fungiert haben

Der Gruppe soll auch der Deutsche Eric Breininger angehört haben, der durch seine Video-Botschaften als "deutscher Taliban" bekannt wurde. Breininger war Medienberichten zufolge 2010 bei Kämpfen in Pakistan ums Leben gekommen.

TerrorverdachtDer nun Angeklagte D. habe sich ein Kalaschnikow-Gewehr zugelegt. Wegen einer chronischen Durchfallerkrankung habe er aber nicht an Anschlägen und Angriffen der Gruppe auf afghanische und US-Einrichtungen teilnehmen können, so die Bundesanwaltschaft. Er habe als Logistiker und Haushälter im Stützpunkt der DTM fungiert.

Josef D. am Sterbebett des Vaters festgenommen

Die DTM habe derweil Selbstmordanschläge als "bestes Mittel, um den Feind zu demoralisieren", gepriesen. Nachdem 2010 der Anführer der Gruppe und weitere Mitglieder von pakistanischen Truppen getötet wurden, sei die DTM zerfallen und aufgelöst worden.

Um seinen sterbenden Vater im Krankenhaus zu besuchen, soll Josef D. vor einigen Monaten von Jordanien nach Deutschland zurückgekehrt sein. Im April sei er in der Klinik festgenommen worden, sagten seine Anwälte.

Nun müsse seine Schuldfähigkeit geprüft werden, so seine Anwälte. Das Gericht hat für das Verfahren bis Februar 2014 zunächst 15 Verhandlungstage angesetzt. Der Prozess soll an diesem Dienstag fortgesetzt werden. In Berlin war im vergangenen Dezember ein weiteres früheres DTM-Mitglied zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. (dpa)

 
 

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