Muslime planen nach Enttäuschung weitere Demos gegen Terror

Muslime protestieren in Köln gegen Extremismus

Einige hundert Menschen, die meisten von ihnen Muslime, zogen am Samstag in einem Friedensmarsch durch die Stadt. Die Veranstalter hatten 10.000 Teilnehmer angemeldet.
Sa, 17.06.2017, 16.39 Uhr

Einige hundert Menschen, die meisten von ihnen Muslime, zogen am Samstag in einem Friedensmarsch durch die Stadt. Die Veranstalter hatten 10.000 Teilnehmer angemeldet.

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In Köln demonstrierten weit weniger Muslime gegen Terror als erwartet. Die Organisatoren wollen sich aber nicht entmutigen lassen.

Köln.  Am Kölner Friedensmarsch „Nicht mit uns“ von Muslimen gegen Gewalt und islamistischen Terror haben viel weniger Menschen als erwartet teilgenommen. Anfangs sah es nach einem Debakel aus, als die Polizei die Zahl der Demonstranten mit 200 bis 300 angab. Im Laufe der mehrstündigen Veranstaltung wuchs die Teilnehmerzahl jedoch noch zumindest auf deutlich über 2000. Die Veranstalter sprechen von mindestens 3000 – und planen eine Fortsetzung. Sie hatten eine Kundgebung mit 10.000 Teilnehmern angemeldet.

Sie wollen sich von der vergleichsweise schwachen Beteiligung auch nicht unterkriegen lassen. Auf Twitter kündigten sie weitere Kundgebungen für kommende Woche an. „Von Köln geht ein Signal aus!“, twitterten die Veranstalter.

„Kein gutes Bild“

Der ARD-Journalist Constantin Schreiber, der nach Besuchen bei den Freitagsgebeten in 13 Moscheen den Bestseller „Inside Islam“ geschrieben hat, hatte die anfängliche Resonanz auf Twitter kommentiert: „Kein gutes Bild.“

Trotz der Absage des Islam-Dachverbands Ditib hatten die Veranstalter am Samstag mit Tausenden Muslimen zum Friedensmarsch gerechnet. „Es ist ein Fehler, bei einem solchen Friedensmarsch nicht dabei zu sein“, sagte Mit-Initiatorin Lamya Kaddor. Bei der Veranstaltung betonte sie: „Wir wollen niemanden in unseren Reihen wissen, der im Namen des Islam unschuldige Menschen tötet.“ Die muslimische Zivilgesellschaft dürfe „nicht die Extremisten sprechen lassen“.

Zentralrat der Muslime war unter Unterstützern

Dutzende Gruppierungen hatten die Aktion unterstützt, darunter Parteien, Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbände und kirchliche Gruppen. Unter den mehr als 300 Einzelpersonen, die den Aufruf unterzeichnet haben, sind Politiker, Künstler und Wissenschaftler. Auch viele Nicht-Muslime und Politiker hatten zuvor parteiübergreifend zur Teilnahme aufgerufen.

Initiatoren der Aktion „Nicht mit uns“ sind die Islamwissenschaftlerin Kaddor und der muslimische Friedenaktivist Tarek Mohamad. Auch der Zentralrat der Muslime und die Türkische Gemeinde zählten zu den Unterstützern, der Zentralrat war auch mit Vorstandsmitgliedern vertreten.

Ditib als größter Islam-Dachverband in Deutschland hatte seine Teilnahme abgesagt – unter anderem mit dem Argument, dass eine solche Aktion unzumutbar für die jetzt im Ramadan fastenden Muslime sei. Damit hatte der Verband Unverständnis unter anderem bei der Bundesregierung ausgelöst.

Kritik an Ditib-Verweigerung

Die Absage sei „einfach schade“ , hatte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Freitag über ihren Sprecher erklärt. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte der „Rheinischen Post“: „Teilnehmen wäre besser gewesen als abseits stehen.“ Es sei bedauerlich, dass nicht alle islamischen Dachverbände die Initiative unterstützten.

Auch Mitinitiatorin Kaddor hatte sich verwundert gezeigt. Eine solche Aktion passe sehr gut in den Fastenmonat Ramadan. „Der Prophet Mohammed hat gerade im Ramadan die härteste Arbeit vollbracht. Im Ramadan ging es genau darum, gesellschaftlichen Frieden herzustellen. Der Ramadan ist der Monat des Friedens für uns Muslime!“, betonte Kaddor. Muslime müssten auch in Deutschland klar machen, dass Attentäter und Islamisten nicht mehr Teil ihrer muslimischen Community seien.

Widerstand gegen Terroristen und Fanatiker

Im Aufruf zu der Kölner Demonstration hieß es, der Widerstand gegen Terroristen und Fanatiker sei eine besondere Pflicht der Muslime, denn: „Es ist unser Glaube, der hier missbraucht wird, der hier beschmutzt, beleidigt und bis zur Unkenntlichkeit entstellt wird.“ (law/dpa)

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