Muslime demonstrieren gegen Gewalt im Namen des Glaubens

Der IS-Terror wird von deutschen Muslimen scharf verurteilt. Mit einem bundesweiten Aktionstag wollen sie ein Zeichen setzen - auch wegen der jüngsten Brandanschläge auf Moscheen und Synagogen. In ihrer Ansprache verweisen sie auf den Koran, der die Gläubigen zu Frieden mit den Mitmenschen aufrufe.

Essen.. Mit einem öffentlichen Friedensgebet haben tausende Muslime bundesweit gegen Rassismus und Extremismus demonstriert. Zudem sind Mahnwachen und Kundgebungen geplant. Die islamische Gemeinde will damit gegen islamistischen Terror im Namen ihrer Religion protestieren und sich für ein friedliches Zusammenleben in Deutschland einsetzen.

Der Zentralrat der Muslime hat Hass gegen Juden und Terror im Namen des Islam verurteilt. "Wir wollen nicht schweigen, wenn hierzulande aus Rassismus Brandanschläge auf Moscheen und Synagogen verübt werden", sagte der Vorsitzende, Aiman Mazyek. Zum bundesweiten Aktionstag am Freitag mahnte er, man dürfe auch nicht schweigen, "wenn Menschen den muslimischen Glauben missbrauchen, um Unrecht zu begehen. Das sind in Wahrheit Terroristen und Mörder, die den Islam in den Dreck ziehen und den Menschen - auch ihren eigenen Glaubensbrüdern - Hass und Leid bringen, in Syrien, im Irak und an anderen Orten."

Der Islam betrachte Hetzparolen oder Judenhass, Enthauptungen oder Christenverfolgung als Todsünde, sagte Mazyek. Darum habe der Zentralrat alle Bürger eingeladen, mit Muslimen beim Freitagsgebet für ein friedliches Miteinander zu beten und zu demonstrieren.

Kundgebungen in neun deutschen Städten

In neun deutschen Städten soll es Kundgebungen geben, darunter auch in Bielefeld. An dem Freitagsgebet in der Bielefelder Moschee, auf die im August ein Brandanschlag verübt worden war, will auch NRW-Integrationsminister Guntram Schneider (SPD) teilnehmen.

Landtagspräsidentin Carina Gödecke lobte die Aktion. "In einer Zeit der Kriege im Nahen Osten, in Syrien und im Irak müssten diejenigen ihre Stimme erheben, die sich Religionen übergreifend für Frieden und Verständigung der Völker einsetzen und damit ein Zeichen gegen Extremismus, gegen Antisemitismus, gegen Rassismus setzen."

Der DGB NRW warnte vor Misstrauen gegenüber den Muslimen. "Der Terror des IS im Irak und die kleine Gruppe gewaltbereiter Salafisten in unserem Land dürfen nicht bewirken, dass alle 1,4 Millionen nordrhein-westfälische Musliminnen und Muslime unter Generalverdacht geraten", sagte der Landesvorsitzende Andreas Meyer-Lauber am Freitag laut einer Mitteilung. (dpa)

Der Aufruf der beteiligten Verbände und Vereine im Wortlaut:

Ansprache des Koordinationsrat der Muslime (DITIB, Islamrat, VIKZ und ZMD) zum Tag „Muslime stehen auf gegen Hass und Unrecht“ –Friedensveranstaltung nach Freitagsgebet

Liebe Geschwister, verehrte Gemeinde, sehr geehrte Gäste,

Assalamu alaikum. Mit diesem Friedenswunsch begrüßen wir stets einander. Er erinnert uns bei jeder Begegnung daran, dass Frieden, Zufriedenheit, Glück und Wohlbefinden die Zustände sind, die Allah uns empfiehlt und die wir für uns und andere erstreben sollen.

Wir erleben aber seit Jahren und ganz besonders auch in den letzten Tagen und Wochen, dass zwischen den Menschen in Deutschland und weltweit Zwietracht, Misstrauen und Hass gedeihen. Wir erleben, wie Menschen im Namen Allahs Grausamkeiten begehen, andere Menschen quälen, sie aus ihren Häusern vertreiben und ermorden. Sie handeln unter dem Banner des Propheten (s.a.v.), zeigen mit ihren Verbrechen aber, dass sie kein Wort davon verstanden haben, was Allah uns offenbart hat und wie unser Prophet (s.a.v.) nach diesen Geboten gelebt hat.

Wir erleben, wie hier in Deutschland unsere Moscheen angegriffen und in Brand gesteckt werden, seit 2012 allein in über 80 Fällen. Unsere Gemeinden sind besorgt und verunsichert, dass wir als Muslime immer stärker ausgegrenzt und angefeindet werden .

Wir erleben, wie Menschen hier in Deutschland einander beschimpfen und angreifen – obwohl wir alle das Wort Allahs empfangen haben, obwohl wir die gleichen Propheten verehren, obwohl wir zu dem gleichen Schöpfer beten.

Obwohl Allah keinen Unterschied zwischen den Menschen macht und sie im Jenseits alle nach ihrem Glauben und ihren Taten beurteilen wird, maßen Menschen es sich an, sich über andere Menschen zu stellen und über sie im Diesseits zu richten.

Es kann Allah nicht gefallen, wenn Menschen voreinander Angst haben und einander misstrauen, nur weil sie einen anderen Glauben haben.

Allah erinnert uns im Koran (Sure 7, Vers 43) daran, dass es die Eigenschaft der Menschen ist, die ins Paradies einziehen, dass Hass von ihren Herzen genommen sein wird. Wie können Menschen dann glauben, dass sie von Allah angenommen werden, wenn sie ihre Mitmenschen hassen und ihnen Unrecht antun?

Allah lehrt uns im Koran (Sure 5, Vers 48), dass wir so unterschiedlich erschaffen wurden, damit wir voneinander lernen und im Diesseits um die guten Dinge wetteifern. Er lehrt uns im Koran (Sure 41, Vers 34), gerecht zu sein, auch wenn wir Ungerechtigkeit erfahren und einer schlechten Tat mit einer guten Tat zu begegnen. Denn Allah liebt die, die gerecht handeln. (Sure 5, Vers 42)

 
 

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