Mursi wird die Quittung bekommen

Im Umkreis von Präsident Mohammed Mursi scheint man langsam zu realisieren, was die Stunde geschlagen hat. Millionen Menschen haben dem Regime der Muslimbrüder die Rote Karte gezeigt. Millionen sehen kein Besserung in ihrem Alltag und sind es leid, sich mit frommen Vorschriften bis in ihr Privatleben hinein bevormunden zu lassen. Wie in der Türkei, zeigt sich auch in Ägypten, dass der politische Islam mit seinem religiösen Gestaltungsanspruch eine Polarisierung der Gesellschaft erzeugt, die das gesamte Staatswesen zerreißen kann. Denn wer seine Wahlstimmen bei Bauern, sozial Schwachen und Ungebildeten mit dem Slogan „Islam ist die Lösung“ eintreibt, erringt nicht automatisch das Mandat, den gebildeten und die Volkswirtschaft tragenden Schichten mit frommen Vorschriften auf die Nerven zu gehen.

Staatschef Mursi war sogar bereit, nur um die Scharia als zentrale Quelle des Rechts in der neuen Verfassung Ägyptens zu verankern, die politische Kooperation mit der Demokratiebewegung aufzukündigen, die treibenden Kräfte der Revolution gegen Hosni Mubarak von der Mitgestaltung des neuen Grundgesetzes auszuschließen und die Minderheit der Christen nachhaltig vor den Kopf zu stoßen. Der Staat jedoch ist keine religiös getönte Moralanstalt und kann es niemals sein. Glaube ist und bleibt eine höchstpersönliche Angelegenheit.

Und wer, wie der Türke Erdogan und der Ägypter Mursi, per Staatsgewalt aus seinen Landsleuten bessere Muslime machen will, wird eines Tages die Quittung bekommen. Für Muslimbruder Mursi könnte dies bereits diese Woche der Fall sein.

 
 

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