„Moria brennt“: Flüchtlingslager in Flammen ++ NRW will bis zu 1.000 Menschen aufnehmen

Flammen in der Nacht im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos.
Flammen in der Nacht im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos.
Foto: Panagiotis Balaskas/AP/dpa

Moria brennt": Im Netz tauchen am Dienstagabend erschütternde und dramatische Videos und Bilder aus dem Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos auf.

Moria, das größte Flüchtlingslager Griechenland auf der Ägäis-Insel Lesbos, brannte in den Nachtstunden nach Zeugenaussagen fast komplett ab.

Flüchtlingslager Moria in Flammen: Evakuierung in der Nacht

„Moria brennt. Es gab immer wieder Feuer, aber das ist anders, Moria brennt. Ich weiß nicht, wer die Feuer gelegt hat. Aber ich weiß dass viele wollen, dass dieser entwürdigende Ort nicht mehr existiert. Wir haben politisch versagt, jahrelang. Europa versagt“, twitterte der Grünen-Europaabgeordnete Erik Marquardt am Dienstagabend. Der Politiker teilte ein Video mit dramatischen Sequenzen von dem brennenden Lager.

Die Journalistin Sophia Maier postete ebenfalls einen Videoclip und schrieb auf Twitter: „Das Lager Moria steht in Flammen, die Situation vor Ort ist außer Kontrolle. Heute erst wurden 35 Corona-Fälle bestätigt, das Camp ist komplett abgeriegelt. 13.000 Menschen harren dort gerade aus. Um es wie Norbert Blüm zu sagen: 'Europa, schäm dich!'.“

Die Hilfsorganisation medico international sprach von einem wahrgewordenen Albtraum, „der so lange hätte vermieden werden können“. Die NGO Seebrücke forderte: „Wir sagen es seit Wochen, Monaten und Jahren: Evakuiert das Lager. Die Politik muss endlich handeln.“

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Das ist das Flüchtlingslager Moria:

  • Das Flüchtlingslager Moria ist seit Jahre völlig überfüllt.
  • Eigentlich ist das Lager für 2800 Menschen ausgelegt, derzeit leben dort aber rund 12.7000 Asylsuchende.
  • Nun gab es mehrere Coronavirus-Infektionen im Flüchtlingslager, was die schwierige humanitäre Situation weiter verschärfte.

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Feuer im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos: Brandstiftung bei einer Revolte?

Nach Angaben der Feuerwehr auf Lesbos waren mehrere Brände innerhalb des Lagers wie auch in der Landschaft der Umgebung ausgebrochen. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete in der Nacht, auch ein außerhalb des Hauptlagers liegender Olivenhain mit Zeltunterkünften für Flüchtlinge brenne.

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Asylbewerber flüchteten dem Fotografen zufolge zu Fuß in Richtung des Hafens der Inselhauptstadt Mytilini. Dabei seien sie jedoch von Polizeiwagen gestoppt worden. Augenzeugen wollen außerdem beobachtet haben, dass Einwohner flüchtende Asylbewerber daran gehindert hätten, ein nahegelegenes Dorf zu betreten.

Bei der Teilevakuierung des Lagers waren laut Feuerwehr 25 Feuerwehrleute sowie zehn Wagen im Einsatz. Die griechische Nachrichtenagentur ANA meldete, die Brände seien nach einer Revolte in dem Lager ausgebrochen. Einige Flüchtlinge hätten dagegen protestiert, dass sie isoliert untergebracht werden sollten, nachdem sie positiv auf das Coronavirus getestet worden seien oder direkten Kontakt zu Infizierten gehabt hätten.

Ob es bei dem Brand in Moria Verletzte oder sogar Tote gab, ist derzeit nicht bekannt.

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NRW-Ministerpräsident Laschet will bis zu 1.000 Flüchtlinge aufnehmen

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet ragiert, will bis zu 1.000 Flüchtlinge aus Moria aufnehmen. Das kündigte er am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf an. „Die Bilder aus Moria sind bestürzend. Die Menschen auf der Flucht haben nach dem Feuer alles verloren, selbst das einfache Dach über dem Kopf“, erklärte er seinen Vorstoß. „Hier ist schnelle humanitäre Hilfe erforderlich.“

Er habe dem griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis bereits direkte Hilfe angeboten. „Wir brauchen jetzt beides: eine schnelle Soforthilfe für Moria und eine nachhaltige, europäische Hilfe bei der Aufnahme von Kindern und Familien.“ Der Bundesregierung habe er Unterstützung bei der Ausstattung angeboten – „mit Zelten, Medikamenten und allem, was es jetzt besonders dringend braucht“, berichtete Laschet. „Jetzt kommt es darauf an, dass Griechenland genau sagt, was es braucht. Der Hilferuf aus Moria wird in Nordrhein-Westfalen gehört.“

Moria-Protestaktion vor dem Bundestag: 13.000 Stühle vor dem Reichstagsgebäude

Erst am Montag gab es eine eindrucksvolle Protestaktion vor dem Bundestag. Aktivisten stellten 13.000 Stühle vor dem Parlament auf, die symbolisch für die Menschen im Flüchtlingslager Moria stehen sollten. Die Politik sei aufgerufen, „die humanitäre Katastrophe an den europäischen Außengrenzen endlich zu beenden und die Lager zu evakuieren“, erklärten die Gruppen Seebrücke, Sea-Watch, #LeaveNoOneBehind und Campact. In Deutschland würde es genug Platz geben.

Erdogan droht einem EU-Land offen mit Krieg: „Wir schrecken nicht davor zurück...“

Bei einem Konflikt mit einem EU-Staat wird der Ton aktuell immer rauer. Dabei geht es vordergründig um Erdgasfelder im Mittelmeer, welche neben der Türkei auch Griechenland beansprucht. (mag mit AFP)

 
 

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