Deshalb läuft die Eröffnungsfeier ohne koreanischen Hymnen

Eine Militärkapelle in Nordkorea: Der Kim-Clan nutzt die Nationalhymne auch zur Festigung der eigenen Macht.
Eine Militärkapelle in Nordkorea: Der Kim-Clan nutzt die Nationalhymne auch zur Festigung der eigenen Macht.
Foto: imago stock&people
Freitag werden die Winterspiele in Pyeongchang eröffnet. Die Teams aus Nord- und Südkorea laufen gemeinsam ein – ohne ihre Hymnen.

Berlin.  Eine schottische Volksweise einte einst Nord- und Südkorea. Nach der getragenen Melodie von „Auld Lang Syne“ – in Deutschland besser bekannt als „Nehmt Abschied, Brüder“ – sangen die Koreaner im Norden wie im Süden ihre Nationalhymne. Doch diese Zeiten sind seit 1947 vorbei.

Heute haben der kommunistische Norden und der westlich orientierte Süden, wo in diesem Februar die Olympischen Winterspiele ausgetragen werden, ihre eigenen Hymnen – auch wenn deren Titel sehr ähnlich sind: Südkorea „Aegukga“, Nordkorea „Aegukka“. Und auch im Text setzen die beiden durch die bestgesicherte Grenze der Welt getrennten Länder eigene Akzente.

„Da scheint der Mond so hell“

In Nordkorea klingt es beispielsweise so: „Lass die Morgensonne über das Gold und Silber dieses Landes scheinen...Lasst uns mit Körper und Geist hingeben, um dieses Korea für ewig zu unterstützen.“

Was dem Norden die Sonne, ist dem Süden der Mond. Dabei klingt es nicht weniger patriotisch. Bitte sehr: „Da ist der Herbsthimmel hoch und klar, da scheint der Mond hell, so bleibe unser Herz treu und einig.“

Paektusan – der heilige Berg Koreas

Doch es gibt auch eine Gemeinsamkeit in den Hymnen. Und die heißt „Paektusan“. Der Name dieses 2750 Meter hohen Berges taucht in beiden Liedern auf. Der Berg, gelegen an der Grenze von Nordkorea zu China, wird als heiliger Berg verehrt. Der Legende zufolge markiert der Paektusan die Gründungsstätte des koreanischen Volkes.

Im Süden singen sie: „Bis das Meer des Ostens ausdörrt und der Paektusan-Berg abgetragen ist, möge Gott unser Land ewig schützen.“ Der Norden seinerseits feiert die „Stimmung des Paektusan“, die „in alle Welt hinausgeht“.

Kim-Clan nutzt den Berg für ihre Zwecke

Für den kommunistischen Norden aber hat der Berg noch eine weitere wichtige Funktion: Staatsgründer Kim Il-sung soll vom Paektusan aus den Unabhängigkeitskampf gegen Japan organisiert haben. Zudem soll sein Sohn Kim Jong-il dort geboren sein – was außerhalb Nordkoreas allerdings bezweifelt wird. Gleichwohl instrumentalisiert der Kim-Clan, der das Land regiert, den Mythos Pektusan gezielt zur Glorifizierung der eigenen Macht.

Volkslied ersetzt beide Hymnen bei Olympia

Allerdings: Wenn süd- und nordkoreanische Athleten am Freitag bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang gemeinsam einlaufen, soll weder „Aegukga“ noch „Aegukka“ erklingen – sondern „Arirang“.

Dieses Lied, das schon bei früheren Großveranstaltungen als Ersatz für die Nationalhymnen beider Länder gespielt wurde, gilt als Seele des koreanischen Volksliedes. Es stammt aus der Provinz Gangwon, wo jetzt auch die olympischen Wettkämpfe stattfinden. Dort wurde das Lied, in dem sich die Einheit mit der Natur widerspiegelt, traditionell während der Feldarbeit gesungen.

Im Laufe der Zeit veränderten sich Melodie und Text des über Generationen hinweg weitergereichten Lieds. „Arirang“ wurde sogar 2012 in die repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. (mit Material von dpa)

 

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