Mord im Luxushotel

Foto: AFP

Jerusalem.. Der israelische Geheimdienst Mossad wird der Ermordung eines hochrangigen Hamasfunktionärs in Dubai im Januar verdächtigt. Nun könnte der Vorfall diplomatische Konsequenzen haben, da die vermeintlichen Mörder gefälschte europäische Pässe nutzten. Österreich soll als „Kommandozentrale“ für die Aktion gedient haben.

Dubais Polizeichef Dahi Khalfan Tamim ist völlig überzeugt: „Unsere Ermittlungen haben mit einer Sicherheit von 99 Prozent ergeben, dass der Mossad hinter dem Mord an Mahmud al Mabhuh steckt.“ Diese Aussage verwickelt Israel in diplomatische Schwierigkeiten, da das Einsatzteam, mindestens elf Personen, mit Hilfe gefälschter europäischer Pässe nach Dubai einreisten.

Zwei weitere verdächtige Palästinenser wurden in Jordanien verhaftet und an Dubai ausgeliefert. Die beiden Männer hatten in der Vergangenheit für eine Spezialeinheit des palästinensischen Geheimdienstes der Fatah, der politischen Rivalin der Hamas, gearbeitet. Diese Einheit war früher für den Kampf gegen die Hamas und die Ermordung hochrangiger Mitglieder berüchtigt. Die beiden Verdächtigen waren im Jahr 2007 aus dem Gazastreifen geflüchtet, nachdem die Hamas dort in einem gewaltsamen Putsch die Macht übernommen hatte. Ein weiteres Mitglied der Hamas soll unter dem Verdacht der Kollaboration mit Israel in Syrien verhaftet worden sein.

Die Suche nach den vermeintlichen Mossad Agenten, die mit den gefälschten Pässen eingereist waren, geht weiter. Sechs der Pässe waren britisch, drei irisch, einer französisch und einer deutsch. Am Donnerstag luden die Außenministerien in London, Dublin und Paris den israelischen Botschafter vor, um eine Erklärung für den Missbrauch ihrer Pässe einzufordern. Auch Berlin verlangte Aufklärung.

Die gefälschten Pässe sind der einzige Hinweis, der den Mord in Dubai im Januar mit Israel verbindet: Mehrere Pässe trugen die Namen und Nummern echter britischer und deutscher Staatsbürger, die vor Jahren nach Israel eingewandert waren. Die irischen Pässe waren auf fiktive Namen ausgestellt und trugen falsche Nummern. Nach den Gesprächen in Dublin und London erklärten Israels Botschafter, dass sie keine konkreten Informationen besäßen. Israel hat den Mord weder bestätigt noch abgestritten. „Ich weiß nicht, warum angenommen wird, dass ausgerechnet Israel diese Pässe genutzt hat“, sagte Israels Außenminister Avigdor Lieberman.

Die Details der Ermittlungen aus Dubai lassen aber erkennen, dass nur ein Geheimdienst über die notwendigen Ressourcen verfügt, um eine so komplexe Aktion durchzuführen. Mabhuh, ein Gründer und hochrangiger Funktionär der Kassam Brigaden, des bewaffneten Arms der radikalislamischen Hamas, wäre für den Mossad ein lohnendes Ziel gewesen. Mabhuh war für die Entführung und den Tod zweier israelischer Soldaten verantwortlich. Vor seinem Tod organisierte er den militärischen Nachschub der Hamas und schmuggelte Waffen aus dem Iran, darunter auch Raketen, über den Sudan und Ägypten in den Gazastreifen.

Mabhuh war am 20. Januar in einem Luxushotel in Dubai mit Stromschlägen kampfunfähig gemacht und danach erstickt worden. Wenige Stunden nach dem Mord flogen alle Täter von Dubai nach Europa, Südafrika und Hongkong. Seither fehlt jede Spur.

 
 

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