Missbrauchs- und Mordverdacht gegen Piraten Claus-Brunner

Gerwald Claus-Brunner gehörte zur Berliner Piratenfraktion, die 2011 als erste in einen Landtag einzog. Jetzt ist der 44-Jährige tot aufgefunden worden.
Gerwald Claus-Brunner gehörte zur Berliner Piratenfraktion, die 2011 als erste in einen Landtag einzog. Jetzt ist der 44-Jährige tot aufgefunden worden.
Foto: dpa
  •  Piraten-Politiker Gerwald Claus-Brunner soll vor seinem Suizid einen Mann erwürgt haben
  • Claus-Brunner hatte seinen Freitod in einer Rede im Berliner Senat angedeutet
  • Die Mordkommission der Kriminalpolizei ermittelt weiter

Berlin.. Überraschende Wende im Fall des toten Piraten-Politikers Gerwald Claus-Brunner: Wie die „Bild“ zuerst berichtete, soll der 44-Jährige vor seinem Tod einen jungen Mann umgebracht haben. Bei dem Toten, der neben der Leiche des Politikers gelegen haben soll, soll es sich um einen 1987 geborenen Mann handeln. Nach Informationen der „Berliner Morgenpost“ soll Claus-Brunner sein Opfer in einer Wohnung in Berlin-Wedding getötet haben.

Anschließend soll er die Leiche in seine Wohnung nach Berlin-Steglitz gebracht haben, sagte ein Quelle aus Polizeikreisen, die nicht namentlich genannt werden will. Später soll Claus-Brunner sich selbst das Leben genommen haben.

Hinweise auf Stalking

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte außerdem, es gebe Hinweise, dass Claus-Brunner den jüngeren Mann gestalkt, also verfolgt und belästigt habe. Dazu werde ermittelt. Vermutlich wertet die Polizei dafür Daten der Handys und Computer der beiden Toten aus. Zeitungsberichte, nach denen der getötete Mann missbraucht worden sei, bestätigten die Ermittler jedoch ausdrücklich nicht. Dazu gebe es keine Hinweise, sagten Sprecher von Polizei und Staatsanwaltschaft.

Der zweite Mann, dessen Identität noch nicht geklärt ist, dürfte schon vor einigen Tagen durch „stumpfe Gewalt gegen den Oberkörper“ getötet worden sein, wie die Polizei am Dienstagnachmittag mitteilte. Polizei und Staatsanwaltschaft schrieben in einer gemeinsamen Mitteilung, in der Wohnung habe sich ein „schauriges Bild“ geboten, das auf ein Tötungsdelikt hindeute. Die Ermittlungen der Mordkommission dauerten an.

Andeutungen im Abgeordnetenhaus

Der Piraten-Politiker Gerwald Claus-Brunner, der am Montag tot aufgefunden worden war, hatte seinen Tod in einer Rede im Berliner Abgeordnetenhaus vor der Wahl angedeutet. „Ihr werdet es ab dem 18.9. noch bereuen, dass es diese Fraktion, der ich angehöre, nicht mehr geben wird. (...) Ihr werdet auch in der laufenden Legislaturperiode für mich am Anfang irgendeiner Plenarsitzung mal aufstehen dürfen und eine Minute stillschweigen.“ Die Passage ist im Plenarprotokoll vermerkt.

Im Anschluss an die Rede ermahnte Vizepräsidentin Anja Schillhaneck laut Protokoll das Plenum: „Zwischenrufe wie ‘Geh mal zum Arzt!’ oder Ähnliches sind wirklich unangemessen! Das sollten Sie bitte unterlassen!“

Claus-Brunner litt unter unheilbarer Erkrankung

Die Berliner Piratenpartei hatte am Montag im Internet einen Nachruf veröffentlicht. Darin heißt es: „Mit sehr großer Bestürzung haben wir soeben erfahren, dass unser langjähriges und sehr engagiertes Parteimitglied Gerwald Claus-Brunner nicht mehr unter uns ist. Nach Mitteilung der Polizei war es weder ein Unfall noch Fremdverschulden, sondern er hat wohl selbst seinem Leben ein Ende gesetzt. Genauere Umstände sind uns nicht bekannt; allerdings wussten wir von einer unheilbaren Erkrankung.“

Wie der rbb schreibt, soll am Montag im Abgeordnetenbüro der Piraten ein Brief von Claus-Brunner angekommen sein. Darin habe er geschrieben, dass er bereits tot sei, wenn der Brief geöffnet werde. Ein Mitarbeiter habe daraufhin die Polizei alarmiert, so der rbb. Der Vorsitzende der Berliner Piraten, Bruno Kramm, sagte dem rbb, Claus-Brunner habe an einer chronischen Krankheit gelitten, die zu Organversagen führe. Ein Arzt habe ihm noch ein Jahr zu leben gegeben.

Claus-Brunner, Spitzname „Faxe“, war durch sein Auftreten in Latzhose und das Kopftuch ein bekanntes Gesicht der Piratenpartei. Er war im Oktober 2011 als Mitglied der ersten Piratenfraktion in das Berliner Abgeordnetenhaus eingezogen.

Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hatte den Piraten-Politiker aufgefordert, das Kopftuch abzulegen. Es stehe für Nationalismus, bewaffneten Kampf und Anti-Zionismus. Claus-Brunner hatte die Kritik zurückgewiesen, sein Tuch sei ein Zeichen gegen Antisemitismus. Brunner trug in der Folge zu seinem Kopftuch einen Davidsstern.

„Lebwohl, Faxe! Wir werden dich vermissen“

Bereits nach der ersten Zeit im Abgeordnetenhaus – und nach einigen internen Querelen bei den Piraten – hatte Claus-Brunner geklagt, er sei moralisch und seelisch am Ende. Später sagte er: „Ich halte durch, weil ich sicher bin, dass ein großer Teil der Basis hinter mir steht.“

Die Piraten schrieben jetzt: „Faxe, wie wir ihn alle nannten, war nie unumstritten, Faxe war nie einfach und er hatte es auch nie leicht. Jeder von uns kann eine Geschichte über ihn erzählen.“ Sie beendeten ihre Mitteilung: „Lebwohl, Faxe! Wir werden dich vermissen.“

Dieser Artikel ist zuerst auf www.morgenpost.de erschienen. (FMG/dpa/jha)

 
 

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