Ministerin lobt umstrittenen Mega-Konzern und kassiert heftigen Shitstorm: „Peinlich“ +++ „Geht gar nicht“

Die Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) wollte mi t einem Video für gesündere Ernährung werben. Das löste einen Shitstorm aus.
Die Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) wollte mi t einem Video für gesündere Ernährung werben. Das löste einen Shitstorm aus.
Foto: dpa

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) hat sich auf die Fahnen geschrieben, gesündere Ernährung voranzutreiben. Weniger Zucker, weniger Fette, weniger Salz soll es sein. Dabei setzt sie auf die Kooperation mit dem umstrittenen Lebensmittelkonzern Nestlé – und hat sich jetzt mit einem Video Ärger eingebrockt.

Der bei Twitter veröffentlichte Clip mit dem Deutschland-Chef Marc-Aurel Boersch von Nestlé sorgte für einen regelrechten Shitstorm. Am Montag hatte das Landeswirtschaftsministerium das Video im Internet hochgeladen, in dem Klöckner das Unternehmen Nestlé dafür würdigt, dass es den Zucker-, Salz und Fettgehalt seiner Lebensmittel reduziert habe.

Nestlé: Landwirtschaftsministerium erntet mit diesem Video Shitstorm

Hintergrund ist eine vom Kabinett verabschiedete „Reduktions- und Innovationsstrategie“, die Vereinbarungen auf freiwilliger Basis mit den Herstellern vorsieht. Für den Kampf gegen Übergewicht sollen viele Fertigprodukte so bis 2025 neue Rezepturen bekommen. Verbraucherschützer kritisieren dies als zu unverbindlich.

Bei Twitter beklagen zahlreiche Nutzer, Klöckner lasse sich von Nestlé für PR-Zwecke ausnutzen. Unter den Kritikern sind auch prominente Politiker: Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt warf der Ministerin am Mittwoch vor, sie habe ein „Werbevideo“ für Nestlé gedreht, der SPD-Bundestagabgeordnete Karl Lauterbach bezeichnete den Vorgang als „peinlich, ja bitter“. Weiter twitterte er: „Klöckner lässt sich von Nestle Lobbyisten erst die Zuckersteuer und die Lebensmittelampel abverhandeln und tritt dann bei PR-Event von Nestle auf.“

------------------------------------

• Mehr Themen:

Rebecca Reusch: Experte mit krassem Verdacht – „DAS kann ohne weiteres passieren...“

AfD behauptet, Tagesschau manipuliert den Wetterbericht – für einen CDU-Politiker wird es dann richtig peinlich

• Top-News des Tages:

Kreuzfahrt: Frau lässt sich auf Aida ein Pflaster geben – unglaublich, wie teuer das für sie wird

A3: Unfassbar, was ein Lkw-Fahrer im Stau macht – „An Dreistigkeit nicht zu überbieten“

-------------------------------------

Auch aus den eigenen Reihen gab es Kritik: Roderich Kiesewetter, Mitglied des Bundestags für die CDU, kontert auch: „Das geht gar nicht, sich als Ministerium so eng an eine Firma zu binden. Warum nicht auch mit den Wettbewerbern von Nestlé? Warum überhaupt?“

Klöckner hingegen verteidigte ihr Vorgehen und bezeichnete Kritiker als „Hatespeaker“. Sie verteidigte am Mittwoch grundsätzlich das Vorgehen beim Reduzieren von Zucker, Fett und Salz über freiwillige Vereinbarungen. Wenn dies nicht funktioniere, müssten aber gesetzliche Regelungen her, sagte sie anlässlich einer Veranstaltung der Getränkebranche.

+++Die merkwürdige Angst vor Süßem: Warum der Anti-Zucker-Wahn nur noch nervt+++

Ein Ministeriumssprecher sagte am Mittwoch, wichtig sei, dass die Maßnahmen wirksam seien. Dazu gehöre, mit Verbänden zu sprechen. „Und auch mit den Unternehmen, die hier in der Verantwortung stehen, sie in die Pflicht zu nehmen.“ Auch bei Twitter wunderte sich das Ministerium offenbar über so viel Gegenwind: „Hui, viel los hier ...“

Man wolle aber konkrete Fortschritte machen und Salz, Fette und Zucker reduzieren und auch erkennbar machen“, lautet eine Erklärung.

Greenpeace: Nestlè trägt zur Zerstörung des Regenwaldes bei

Nestlé werden wie anderen Konzernen teils fragwürdige Geschäfte vorgeworfen. 2010 prangerte die Umweltorganisation Greenpeace an, dass das Unternehmen mit der Verwendung von Palmöl zur Zerstörung von Regenwald beitrage.

Nestlé hat versprochen, bis 2020 nur noch Palmöl aus nachhaltiger Produktion zu nutzen. (js mit dpa)

 
 

EURE FAVORITEN