Minister fordert, Ausbildungssuchende müssen mobiler sein

Foto: Ingo Otto /WAZ FotoPool
Fast 60 Prozent der Schulabgänger, die noch keine Lehrstelle haben, suchen bereits seit zwei oder mehr Jahren nach einem Ausbildungsplatz. NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider sieht das Problem auch auf Seite der jungen Leute: Sie sollten bereit sein, auch fern der Heimat zu suchen.

Düsseldorf.. NRW-Arbeits­minister Guntram Schneider (SPD) kritisiert die Lehr­stellenlücke in NRW und fordert Jugendliche auf, freie Lehrstellen außerhalb ihrer Wohnorte zu suchen: „Junge Leute müssen mobiler sein.“

In NRW suchen über 24.000 Bewerber eine Lehrstelle. Bildet die Wirtschaft nicht bedarfsgerecht aus?

Guntram Schneider: Besonders bedenklich ist, dass in den NRW-Kernberufen der Metallverarbeitung die Zahl der gemeldeten Ausbildungsplätze um fast zehn Prozent gesunken ist. Wer ständig in Sonntagsreden den Fachkräftemangel beschwört, muss montags Ausbildungsplätze schaffen. Trotzdem wollen 26 Prozent der ­Metallbetriebe in NRW im nächsten Jahr weniger Lehrstellen anbieten – nur knapp 17 Prozent dagegen mehr.

Was ist zu tun?

Schneider: Jugendliche ohne Lehrstelle vor ­allem im mittleren Ruhrgebiet und Ostwestfalen müssen mobiler ­werden. Dort kommen häufig drei Bewerber auf eine offene Lehrstelle. Wir versuchen, Jugendliche ins Sauer-, ­Siegerland und in die ­Region Spreewald zu vermitteln. Außerdem bildet ein Fleisch-Betrieb in Rheda-Wiedenbrück 20 Jugendliche aus Gelsenkirchen aus. Es gilt Schlimmeres zu verhüten auf dem Ausbildungsmarkt. Viele Firmenchefs haben das Demografie-Problem noch nicht erkannt.

Firmen klagen über den geringen Ausbildungsstand der Bewerber.

Schneider: 40 Prozent der Unversorgten haben eine Studienberechtigung, weitere 35 Prozent einen Realschul­abschluss. Wir müssen bis zum­ Jahresende alle Kräfte in den ­Kommunen bündeln, um noch ­etwas in Bewegung zu bringen.

Mehr als die Hälfte sind Altbewerber. Ist da der größte Handlungsbedarf?

Schneider: 58 Prozent der unversorgten Lehrstellenbewerber suchen bereits seit 2010/11 eine Lehrstelle. Trotzdem sind die Bewerber im Schnitt nicht überaltert. Fast 39 Prozent der ­Bewerber sind 20 Jahre oder jünger.

 
 

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