„Merkollande“ - Krisen schweißen Merkel und Hollande zusammen

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Francois Hollande nach dem Friedensgipfel in Minsk.
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Francois Hollande nach dem Friedensgipfel in Minsk.
Foto: dpa
Nach einem lange schwierigen Verhältnis haben die Krisen die deutsche Kanzlerin und den französischen Präsidenten näher aneinanderrücken lassen.

Paris.. Noch wird diese Wortschöpfung, welche in Paris seit Tagen die Runde macht, nur geflüstert: „Merkollande“. Aber selbst wenn Skeptiker noch von einem „zarten Pflänzchen“ sprechen, so ist die neue Harmonie zwischen Angela Merkel und François Hollande spätestens seit der deutsch-französischen Friedensinitiative für die Ukraine nicht mehr zu übersehen.

Ganz offenbar haben die Bundeskanzlerin und Frankreichs Staatspräsident endlich jene nachhaltigen Funkstörungen überwunden, die ihr Verhältnis bislang prägten. Wahre Freunde erkennt man erst in schweren Zeiten, heißt es. Und es sieht so aus, als hätten Merkel und Hollande erst vor dem dreifach bedrohlichen Hintergrund der islamistischen Terrorgefahr, des Ukraine-Konflikt und der neu aufgeflammten griechischen Schuldenkrise entdeckt, was sie aneinander haben.

Bis vor kurzem galt, dass sich Angela und François zwar duzen, aber dennoch zu keiner gemeinsamen Sprache fanden. Stets wirkte es gekünstelt, wenn die beiden 60-jährigen Politiker versuchten, Nähe zu demonstrieren. Bis am 11. Januar eine Momentaufnahme ein ganz anderes Bild zeichnete. Sie zeigt die sichtlich ergriffene Kanzlerin, die am Rande des großen Trauermarsch zum Gedenken an die 17 Opfer der Pariser Attentatsserie mit geschlossen Augen ihren Kopf an Schulter des französischen Präsidenten legt. Als „Liebesfoto“ haben Medien diesen Schnappschuss bezeichnet.

Auch zu „Merkozy“ brauchte es lange

Vielleicht handelt es sich tatsächlich um jenen Augenblick, an dem Merkel und Hollande zu einem persönlichen Verhältnis fanden. Wenige Tage später sprach Frankreichs Präsident von einer „starken Bindung“ zwischen Paris und Berlin, ohne die es kein starkes Europa geben könne. den Worten folgten wenige Stunden später Taten, als Hollande und Merkel nach Kiew flogen und den Verhandlungsmarathons um das zweite Minsker Abkommen eröffneten.

Noch lässt sich nicht absehen, ob die Ukraine-Initiative Erfolg hat. Aber mit ihr haben Deutschland und Frankreich erstmals seit der Abwahl von Hollandes Vorgänger Nicolas Sarkozy wieder gemeinsam das europäische Leadership übernommen. Wobei „Merkollande“ derzeit auch im Falle Griechenlands greift.

Obwohl Frankreichs Präsident der neuen Regierung in Athen freundschaftliche Unterstützung versprach, pocht er in Übereinstimmung mit der Kanzlerin auf den Respekt der getroffenen Vereinbarungen. Durchaus möglich, dass sich Merkel und Hollande tatsächlich dauerhaft zusammengerauft haben. Auch Merkel und Sarkozy haben mehr als zwei Jahre gebraucht, um miteinander warm zu werden. Erst die stürmischen Zeiten der Finanz- und Eurokrise schmiedeten das gemischte Doppel „Merkozy“.

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