Mehr Flüchtlinge sollten laut Minister auf dem Land bleiben

Der Bundeslandwirtschaftminister Christian Schmidt (CSU) sieht gute Chancen für Flüchtlinge auf dem Land. Auch die eingesessene Bevölkerung profitiere
Der Bundeslandwirtschaftminister Christian Schmidt (CSU) sieht gute Chancen für Flüchtlinge auf dem Land. Auch die eingesessene Bevölkerung profitiere
Foto: dpa
Nachbarschaft in ländlichen Gegenden erleichtert die Eingliederung von Flüchtlingen. Das solll nun sogar gesetzlich geregelt werden.

Berlin.  Der ländliche Raum soll künftig noch stärker zur Integration von Flüchtlingen genutzt werden. „In Dörfern und kleinen Orten mit ausgeprägtem Vereinsleben entstehen persönliche und direkte Kontakte oftmals leichter. Nachbarschaft wird in vielen Bereichen gelebt. So können Parallelgesellschaften vermieden werden“, begründete Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) seinen Vorstoß im Bundeskabinett gegenüber unserer Redaktion. „Von den langfristig bleibenden Migranten haben in der Vergangenheit rund 24 Prozent in den ländlichen Regionen eine neue Heimat gefunden. Aktuell zieht es jedoch viele Flüchtlinge in die Großstädte. Es wäre gut, wenn wir mehr Menschen auf dem Land halten könnten.“

Das Land biete Flüchtlingen zahlreiche Vorteile. Es gebe günstige und leerstehende Wohnungen, aber auch Arbeitsplätze. Schmidt lehnt den Bau von „großen Flüchtlingsunterkünften für 200 oder 300 Leute auf der Wiese“ ab und setzt auf dem Land auf „dezentrale Unterbringung“. Gleichzeitig profitiere auch die eingesessene Bevölkerung. „Aufgrund der Demografie leiden einige Regionen unter einer starken Abwanderung junger Menschen und Fachkräftemangel. Dieser Trend kann durch Flüchtlinge zwar nicht ausgeglichen, aber etwas abgemildert werden“, sagte Schmidt. „Wir können es uns nicht leisten, das Potenzial junger Zuwanderer zu vergeuden und nicht zu nutzen.“

Die Verteilung der Flüchtlinge sollte sich danach richten, wo es Arbeitsplätze gibt

Schmidt will, „dass die Verteilung der Flüchtlinge auf den ländlichen Raum auch im Integrationsgesetz verankert wird. Dabei „kommen wir an einer Wohnortzuweisung nicht vorbei.“ Grundsätzlich dürfe der ländliche Raum auch nicht überfordert werden. Die Flüchtlinge müssten dort immer eine „integrationsfähige Minderheit“ sein. „Die Bereitschaft zur Integrationsfähigkeit ist im ländlichen Raum stark vorhanden“, meinte Schmidt. „Aber die Verteilung der Flüchtlinge muss koordiniert werden und sich danach richten, wo Arbeits- und Ausbildungsplätze vorhanden sind. Wo die Arbeitslosigkeit hoch ist, sollten eher keine Flüchtlinge hingeschickt werden. Dort gibt es keine Aufnahmebereitschaft.“ Die Verteilung sollten die Länder regeln, die sich Vorort auskennen.

Jobchancen hätten Flüchtlinge vor allem „in der Landwirtschaft, in grünen Berufen, dem Handwerk sowie in Kleinen und mittleren Unternehmen. Dort sehe ich die neue Heimat vieler Flüchtlinge, am besten mit Familienanschluss.“ Den Einsatz von Flüchtlingen als Saisonkräfte lehnt Schmidt ab. „Saisonarbeit ist zeitlich nur begrenzt. Wir wollen für sie dauerhafte Beschäftigung schaffen. Sie sollen kein Reserve-Heer für Erntehelfer sein.“

 
 

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