Megaklatsche für die Volksparteien: Was CDU und SPD nicht verstanden haben

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Es ist eine Zeitenwende. Die Zeit der Jungen ist angebrochen, das Althergebrachte wurde abgesägt.

Hätten sie mal auf Bob Dylan gehört. Der hat schon 1964 gewusst, dass sich die Zeiten ändern und das Wasser allmählich ansteigt. Jetzt steht den Etablierten das Wasser bis zum Hals, die SPD hat bei der Europawahl eine historische Klatsche erlitten, die Union hat ebenfalls extrem verloren. Und die Grünen, die einstige Nischenpartei, stehen als glorreiche Sieger da. The times they are a changin'.

Europawahl: Antworten aus dem letzten Jahrhundert

Zuerst kam der Hochmut: Jahrelang haben CDU und SPD die junge Generation nicht ernst genommen. Das hat sich in politischen Entscheidungen widergespiegelt. Die SPD hat auf Rentenpolitik gesetzt, statt einer verunsicherten jungen Generation Lösungsansätze zur drohenden Klimakatastrophe zu bieten und Wege in das digitale Zeitalter zu weisen.

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Und die CDU scheint noch immer nicht verstanden zu haben, wo dieses Neuland Internet eigentlich genau liegt und welche Sprache man da spricht. Zuerst stimmte sie blindlings der umstrittenen Urheberrechtsreform zu. Und zuletzt hatte sie auf das - tatsächlich arg polemische - "CDU-Zerstörungsvideo" des Youtubers Rezo erst gar keine Antwort, und dann eine aus dem letzten Jahrhundert: ein elf Seiten starkes PDF-Dokument (!) voller Rechtfertigungen.

Klimaschutz verschlafen

Das Thema Klimaschutz hat die CDU dann vollständig verschlafen, die „Fridays For Future“-Bewegung als nette Randerscheinung abgetan oder verteufelt. Und die SPD hat es bis zum Schluss nicht geschafft, sich ein klares Profil zu geben: Wofür steht die Partei?

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Die Generation der Menschen zwischen 18 und 35 ist nicht länger politikverdrossen. Die Menschen suchen Antworten und eine Politik der Haltung. Die Volksparteien waren nicht in der Lage, ihnen eine solche Haltung zu präsentieren.

Eine Sache macht Hoffnung

Das zeigt eine Statistik: Bei den Wählern unter 25 konnte die Union nur 11 Prozent holen, die SPD sogar nur 8 Prozent. Die Grünen hingegen wären die mit Abstand stärkste Kraft in Deutschland, wenn es nach den Jungen gehen würde: 34 Prozent gaben der Partei ihre Stimme.

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Es ist ein Glück, dass sich die jungen Wähler in ihre Suche nach Alternativen nicht die Ewiggestrigen ausgeguckt haben. Das lässt hoffen: Auf eine gute Zeitenwende.

 
 

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