„Maybrit Illner“ (ZDF): Düsteres Szenario von Karl Lauterbach – „Dann kommen wir aus dem Lockdown nicht mehr raus“

Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) bei „Maybrit Illner“.
Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) bei „Maybrit Illner“.
Foto: ZDF

„Langsames Impfen, schnelles Virus – droht der lange Winter-Shutdown?“, wollte Moderatorin Maybrit Illner im ZDF am Donnerstagabend von ihren Gästen wissen.

Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) wurde bei der Diskussion um die neue Corona-Mutation bei „Maybrit Illner“ deutlich. Er zeichnete ein düsteres Szenario auf, sollte es nicht gelingen, die zweite Welle in nächster Zeit zu stoppen.

„Maybrit Illner“ (ZDF): Lauterbach warnt vor Virus-Mutation

Lauterbach warnte gleich zu Beginn von „Maybritt Illner“ vor den Mutationen des Coronavirus. Mehr Menschen würden sterben, man brauche einen „viel höheren Prozentsatz“ geimpfter Personen. Lauterbach spricht von etwa 80 bis 85 Prozent, bis man eine Herdenimmunität erreiche. Man könne „gar nicht so schnell impfen, wie man sich infiziert.“ Gegen Ende der Sendung sollte er noch einmal auf seine Prognose zurückkommen.

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Mit Blick auf den aktuellen Impfstart sagte der SPD-Politiker: „Wahrscheinlich könnten wir mehr Impfstoff haben“. Er befürworte den gemeinsamen EU-Einkauf, nachträglich müsse man jedoch feststellen: „Die Einkaufsstrategie der EU war nicht gut. Man hat mit zu wenig Geld zu spät gekauft.“

Soahn: „Wir haben kein Mengenproblem“

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), im Einzelgespräch bei „Maybrit Illner“ zugeschaltet, verteidigte den bisherigen Impfstart: „Wir haben kein Mengenproblem.“ Die „Knappheit zu Beginn“, sei von „von Anfang an klar“ gewesen. „Genau die Zahlen die wir angekündigt haben, genau die Impfdosen sind gekommen“, so Spahn. Er appellierte, sich an die Lockdown-Maßnahmen zu halten. Das „Virus bewegt sich nicht alleine, nur durch uns bewegt es sich.“

Zustimmung zum Lockdown erhielt Spahn dabei von Lauterbach. Egal wie gut man aktuell alte Menschen schütze, „es wird den jetzt notwendigen verschärften Showdown nicht überflüssig machen.“ Das, was Lauterbach dann von den Intensivstationen berichtet, geht unter die Haut.

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Wenn man alle Erkrankten aus den Pflegeheimen in auf die Intensivstationen bringe, wären diese „längst überlaufen“. Inzwischen sinke der Altersschnitt auf Intensivstation allein aus dem Grund, dass die Älteren gar nicht mehr dorthin gebracht werden würden. Sie „sterben in den Pflegeeinrichtungen“. Heute liege vor allem die große Gruppe der Baby-Boomer mit Risikofaktoren auf den Intensivstationen. Vor allem Übergewicht sei ein „Risikofaktor für schwerste Verläufe“.

Bei dieser Frage wird Moderatorin Illner sofort korrigiert

Das Virus als todbringende Krankheit für die Alten? Bei dieser Frage wird Maybrit Illner von Eva Hummers, Mitglied der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts, sofort korrigiert. „Ich muss mal korrigieren, es ist nicht überwiegend eine Krankheit der Alten, die meisten betroffenen sind junge Leute zwischen 20 und 30“, so Hummers. Diese erkrankten jedoch weniger schwer.

Arzt und Comedian Eckart von Hirschhausen bezog bei „Maybrit Illner“ zu einer möglichen Impfpflicht Stellung: Diese sei ein der Fachwelt „kein Thema“ und „Unsinn“. Allein „den Begriff Impfpflicht ins Rennen zu bringen, war aus heutiger Sicht in meinen Augen unnötig“, so von Hirschhausen der auf Aufklärung und Transparenz bei der Förderung der Impfbereitschaft setzt: Es sei eine „maßgeblich eine Frage von Aufklärung“. Auch Sprache spiele dabei eine Rolle. Statt „Herdenimmunität“ wirbt er für das Wort „Gemeinschaftsschutz“,

Karl Lauterbach mit düsterer Prognose

SPD-Politiker Lauterbach wurde wenig später noch einmal deutlich, als es um die Umsetzung der Corona-Maßnahmen auf Ebene der Bundesländer geht. Er empfinde es als „sehr problematisch“, dass in Berlin Regeln beschlossen würden, „und dann sind die Ministerpräsidenten kaum zu Hause angekommen und sagen: Das setzten wir nicht um, so unsinnig wie das ist. Das kann nicht so kommuniziert werden, das ist nicht richtig.“

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Man sei in ein „Wettrennen eingetreten“ und müsse die jetzige zweite Welle schnell genug beenden, bevor es zu einer neuen Mutation komme. „Wenn es uns nicht gelingt, die jetzige Welle zu stoppen, dann kommen wir aus dem Lockdown so schnell gar nicht mehr raus“, so Lauterbachs düstere Prognose. Unter der neuen Mutation könne es dann sogar während des Lockdowns zu einem exponentiellen Wachstum kommen. „Das muss verhindert werden“, so der Gesundheitsexperte eindringlich. (dav)