Maybrit Illner (ZDF): Gesundheitsexperte gibt Boris Palmer Widerworte – dann legt der Grünen-Politiker los: „Das ist falsch“, „Kann nicht sein“

Boris Palmer war der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“ zugeschaltet.
Boris Palmer war der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“ zugeschaltet.
Foto: Screenshot ZDF

Pandemie und Protest - das war das Motto bei „Maybrit Illner“ am Donnerstagabend!

Für Aufregung sorgte wieder mal Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer von den Grünen.

Maybrit Illner: Boris Palmer fürchtet gleichen Fehler wie bei Flüchtlingskrise

Boris Palmer hatte erst kürzlich in einem Sat1-Interview mit diesem Satz für Kopfschütteln gesorgt. „Ich sage es ihnen mal ganz brutal. Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären - aufgrund ihres Alters und ihrer Vorerkrankungen“.

Daraufhin erhielt er Morddrohungen und Grünen-Kollegen forderten einen Parteiausschluss. Palmer entschuldigte sich im Gespräch mit Maybrit Illner: „Ich habe einen dummen Satz gesagt“. Es sei in der Live-Situation passiert. Er habe niemanden ängstigen wollen.

Doch nach der Entschuldigung war Palmer schnell wieder im Angriffsmodus. Palmer erklärte, dass Menschen in Alten- und Pflegeheimen im Schnitt elf Monate lebten. Michael Meyer-Hermann vom Helmholtz-Zentrum grätschte dazwischen. Er beruft sich auf eine Analyse, dass Menschen, die an Covid-19 gestorben seien, im Schnitt noch neun Jahre hätten leben können.

„Das ist falsch“, entgegnet Palmer. Meyer-Hermann unbeeindruckt: „Das ist schön, dass Sie das für falsch halten. In England kommt eine ähnliche Analyse auf zehn Jahre.“ Palmer bleibt dabei: „Das kann nicht sein.“

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Auch Medizinethikerin Christiane Woopen fand deutliche Worte Richtung Palmer: „Es verbietet sich doch überhaupt über eine zu erwartende Lebenslänge zu sprechen. Das passt in eine totalitäre Gesellschaft, in andere Kulturkreise, aber nicht nach Deutschland.“

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Die Gäste bei Maybrit Illner am Donnerstag:

  • Michael Meyer-Hermann, Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung
  • Christiane Woopen, Medizinethikerin
  • Nikolaus Blom, "Spiegel"-Journalist
  • Boris Palmer, Tübinger Oberbürgermeister
  • Tobias Hans, Ministerpräsident Saarland (CDU)

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Palmer fürchtet gleichen Fehler wie 2015

Zuvor ging es um die zunehmenden Proteste gegen die Corona-Maßnahmen. Der Spiegel-Journalist Nikolaus Blom sorgt sich, dass aus den aktuellen Demonstrationen wieder eine Massenbewegung wie bei Pegida 2015 werde. Damals seien auch ein kleiner Teil radikal gewesen, doch viele hätten vor allem Fragen angesichts der Flüchtlingspolitik gehabt.

„Ich glaube wir sind dabei den selben Fehler zu machen wie 2015“, findet auch Palmer, der sich sorgt, dass Menschen, die eine andere Meinung haben, beiseite geschoben werden und als Verschwörungstheoretiker gebrandgemarkt wird.

„Oder man wird von Herrn Lauterbach dafür verantwortlich gemacht, dass so und so viel tausende Tote sterben, wenn man nicht genau das macht, was er für richtig hält“, sagte der Grünen-Politiker gegenüber Maybrit Illner.

Lauterbach reagierte auf Twitter:

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Ein spannendes Geständnis gab es von Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans: „Möglicherweise gibt es die ein oder andere Maßnahme, die in der Retrospektive zu hart gewesen ist. Ich muss damit leben, dass das irgendwann rauskommt. Und ich glaub ich kann damit leben, wenn ich sehen, dass wir nicht die Todeszahlen erreicht haben, wie andernorts.“ (ms)

 
 

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