Karl Lauterbach gerät bei Maybrit Illner in Bedrängnis – hat er mit Corona-Angst übertrieben?

Karl Lauterbach: Das ist der Corona-Mahner

Karl Lauterbach: Das ist der Corona-Mahner

Seit der Corona-Pandemie ist Karl Lauterbach Dauergast in den Talkshows von ARD und ZDF. Wir stellen den SPD-Politiker vor.

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Die 7-Tages-Inzidenz in Deutschland sinkt und sinkt. Mittlerweile liegt sie bei 125. Gleichzeitig steigt die Quote der Geimpften in der Bevölkerung. Schon bald könnte ein Drittel der Bevölkerung eine Erstimpfung erhalten haben. In der ZDF-Talkshow von Maybrit Illner ging es deshalb auch um die Frage, ob die Warnungen vor der dritten Welle zu dramatisch waren.

Karl Lauterbach muss sich von Maybrit Illner am Donnerstagabend die Frage gefallen lassen, ob er unnötige Panik verbreitet hat.

Maybrit Illner (ZDF): Hat Karl Lauterbach mit der Corona-Angst übertrieben?

Der SPD-Gesundheitsexperte verneint die Frage Maybrit Illners, ob er übertrieben habe mit seinen Corona-Vorhersagen. Er habe auch nie sehr hohen Zahlen, wie etwa Neuinfektionen von über 100.000 pro Tag, für realistisch gehalten. Jedoch hatte er vor Inzidenzwerten von 200 gewarnt – und bleibt dabei.

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Die Gäste bei Maybrit Illner am 6. Mai:

  • Karl Lauterbach: Bundestagsabgeordneter (SPD), Epidemiologe
  • Katarina Witt: Ex-Eiskunstläuferin, Unternehmerin
  • Volker Bouffier: Ministerpräsident von Hessen (CDU)
  • Alena Buyx: Vorsitzende des Deutschen Ethikrates
  • Caroline von Kretschmann: Geschäftsführerin Hotel Europäischer Hof in Heidelberg

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In den Modellen der Experten sei meist der „Selbstbremseffekt“ nicht bedacht worden. Wenn Leute hören, „dass die Stunde geschlagen hat", werden sie von selbst vorsichtiger. Das Präventionsparadox also.

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Lauterbach nennt fünf Effekte, die aus seiner Sicht zur Entspannung der Corona-Lage geführt haben:

  1. Die Diskussion über die Osterruhe habe dazu geführt, dass die Menschen angefangen hätten, sich anders zu verhalten.
  2. Dann habe die „drastische Diskussion in der Wissenschaft“ nach dem Scheitern der Osterruhe zu noch mehr Vorsicht bei den Menschen geführt.
  3. Die Politik habe durch die Notbremse-Diskussion auf Lockerungen verzichtet.
  4. Auch die „Bundesnotbremse“ habe „stark gewirkt“
  5. Es gebe einen „Voreffekt des Impfens“. Durch Studien aus England wisse man, dass sich Menschen „kurz vor der Impfung, deutlich vorsichtiger verhalten.“

Die Corona-Impfungen selbst haben aus Sicht des Bundestagsabgeordneten nur einen kleinen Effekt gehabt. Der volle Effekt der Impfungen werde erst im Mai spürbar.

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Karl Lauterbach greift bei Maybrit Illner Virologen an: „Ich will hier keine Namen nennen“

Doch Lauterbach wehrt sich dagegen, dass nun ein „Wissenschaftlerbashing“ betrieben wird. Die Modelle seien wichtig gewesen. Man sei großartig durch die erste Corona-Welle gekommen, weil man den Wissenschaftlern vertraut habe.

Vor der zweiten Welle habe man dann den Fehler gemacht, dass man zu sehr auf Wissenschaftler vertraut habe, die beschwichtigt hätten. „Ich will hier keine Namen nennen, aber wir wissen alle, welche Wissenschaftler uns damals in falsche Sicherheit gewogen haben“, so seine scharfe Attacke, offensichtlich in Richtung der Virologen Hendrik Streeck und Jonas Schmidt-Chanasit.

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Deswegen warnt Lauterbach bei Illner auch davor, die Pandemie verfrüht schon als überstanden zu betrachten. Die Fallzahlen der Nicht-Geimpften könnten wieder steigen. Wenn beispielsweise die Hälfte der Bevölkerung geimpft sei, wäre eine Gesamtinzidenz von 200 in dieser Bevölkerung eigentlich eine Inzidenz von 400. Diese Menschen hätten dann ein „riesiges Risiko“ sich anzustecken. Außerdem würden 7 Prozent der Kinder, für die bislang noch kein Impfstoff zugelassen ist, ein Long-Covid-Syndrom entwickeln.

Hier kannst Du die ganze ZDF-Talkshow von Maybrit Illner in der Mediathek sehen.