„Markus Lanz“ (ZDF): Impfung bei Mutationen wirkungslos? Karl Lauterbach zeichnet dramatisches Bild

Maischberger, Lanz und Co.: Das sind die deutschen Talkmaster

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Wie gefährlich sind die Virus-Mutationen aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien? Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) beschrieb das bei „Markus Lanz“ (ZDF) am Dienstagabend mit eindringlichen Worten.

Neben Lauterbach diskutierten bei „Markus Lanz“ CDU/CSU-Fraktionschef Ralph Brinkhaus, Welt-Journalist Robin Alexander und die Virologin Jana Schroeder über das Coronavirus. Am Ende der Sendung wurde zudem mit US-Jurist James Comey auch über den scheidenden US-Präsidenten Donald Trump gesprochen.

„Markus Lanz“ (ZDF): Karl Lauterbach mahnt vor Mutationen

Am Dienstagabend beschloss die Bund-Länder-Konferenz die neuen Corona-Maßnahmen. Und das obwohl die Zahlen eigentlich gerade sanken, der R-Wert unter den Wert von eins fiel. Doch statt Lockerungen gibt es nochmal eine Verschärfung des Lockdowns. Schulen bleiben dicht, OP-Maskenpflicht im Nahverkehr, Treffen sind weiter nur mit einer haushaltsfremden Person erlaubt – und auch Home-Office wird erstmals verpflichtender.

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Laut dem zu „Markus Lanz“ zugeschalteten Gesundheitsexperte Lauterbach gehe an diesen Maßnahmen jedoch mit Blick auf die neuen Mutationen kein Weg vorbei. Die neuen Mutationen machten einen „riesigen Unterschied“, es brauche viel weniger Virusmaterial, um andere Personen zu infizieren. Steuere man jetzt nicht gegen, würden durch die höhere Zahl der Erkrankungen auch „sehr viel mehr“ sterben. Die neuen Maßnahmen seien „gut gemacht“, er „begrüße ausdrücklich die Home-Office-Maßnahmen“.

Dramatisches Rechenbeispiel zeigt wahre Gefahr

Mit Blick auf die Schulen sagte Lauterbach, es tue im weh und er wisse als Vater, was es für die Kinder bedeute. Es deute jedoch einiges darauf hin, dass die Mutation aus Großbritannien vor allem unter Kindern ansteckender sei. Wie viel ansteckender zeigte ein dramatisches Rechenbeispiel.

Bringe ein Schüler oder Lehrer das normale Coronavirus in die Schulklasse, gebe es am Ende des Monats 30 Fälle. Mit der Mutation B117 seien es 240. Es würde also „sehr viel infektiöser“ ablaufen, es sei beinah wie der „Ausbruch einer neuen Pandemie“. Mehr als B117 machten Lauterbach jedoch die Mutationen aus Brasilien und Südafrika sorgen.

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So sei es aktuell unklar, ob die verfügbaren Impfungen auch gegen diese beide wirken und ob es auch trotz überstandener Infektion zu erneuten Erkrankungen kommen könnte. Lauterbach warnte: „Je länger wir die Pandemie laufen lassen für Ungeimpfte“, desto größer sei die Wahrscheinlichkeit, dass man am Ende verschieden Stämme habe und möglicherweise sogar unterschiedliche Impfungen brauche.

Virologin: „Wir hätten die Schulen nicht schließen müssen“

Virologin Jana Schroeder pflichtete den Ausführungen bei. Sie ist jedoch der Meinung, dass gerade Schulschließungen vermeidbar gewesen wären, wenn der Sommer nicht verschlafen worden wäre. Dort sei „sehr viel Energie verloren gegangen“. Man hätte schon in dieser Zeit Konzepte für Distanzunterricht erarbeiten müssen, vielleicht sogar wöchentlich digitalen Unterricht proben.

Auch mit Blick auf leerstehende Kneipen oder Museen hätte man frühzeitig prüfen können, ob dort nicht mit vergrößertem Abstand der Kinder zueinander Unterricht möglich gewesen wäre, und welche Orte sich dafür geeignet hätten. „Ich bin fest davon überzeugt: Wir hätten die Schulen nicht schließen müssen, wenn wir diese Konzepte adäquat vorbereitet hätten“, so die Virologin.

„Zero-Covid“ als Modell für Deutschland?

Moderator Markus Lanz will von der Runde wissen, ob auch die Corona-Strategie („Zero-Covid“) von Finnland oder südostasiatischer Länder erstrebenswert sei, dort sei das „Virus nur noch eine ferne Erinnerung“, so Lanz.

Schroeder hält das Konzept auch in Deutschland für möglich. Aktuell fixiere man sich zu sehr auf Daten, besser sei es, ein klares Ziel – so wie eine Inzidenz von 0 – zu kommunizieren. Wichtig sei eine gemeinsame „Vision“, da dann auch die Schritte klarer seien. Dafür brauche es einen kurzen, sehr harten Lockdown – dann können man in eine exponentielle Schrumpfung kommen. So halbiere sich die Infektionszahl bei einem R-Wert von 0,7 bereits wöchentlich.

Journalist Robin Alexander hat jedoch Zweifel an der Umsetzbarkeit, ähnlich wie CDU/CSU-Sprecher Brinkhaus. Prinzipiell sei „jeder dafür“, das Ziel „Zero-Covid“ habe „jeder vernünftige Mensch“. Wie bei jeder Utopie berge die konkrete Umwandlung jedoch „Gefahren“, so Alexander, der vor einem kompletten Shutdown warnte.

USA wurden von „Mafiosi“ regiert

Neben den neuen Corona-Maßnahmen gab es am Ende der Sendung auch noch ein zweites Thema bei „Markus Lanz“ am Dienstagabend: Die Amtseinführung von Joe Biden als 46- Präsident der vereinigten Staaten am frühen Mittwochabend unserer Zeit. Dafür war extra der Jurist und ehemalige FBI-Direktor James Comey aus den USA zugeschaltet. Comey war von Trump entlassen worden.

Es sei „depremierend“ so Comey, dass die Amtseinführung nun unter solchen Maßnahmen durchgeführt werden müsse. Er empfinde „Ärger und Scham“. Das Weiße Haus sei von einem „Mafiosi“ regiert worden, Trump sei ein „Mensch ohne den Hauch moralischer Führung“, so Comey mit deutlichen Worten.

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Dass Trump nicht zur Amtseinführung von Joe Biden kommen will, sei wenig verwunderlich. „Er geht, wie er wirklich ist: Ein Mann ohne Format“, meint der Ex-FBI-Chef. (dav)