Markus Lanz: Diese Frage bringt Kevin Kühnert in Erklärungsnot

Markus Lanz: Kevin Kühnert musste sich harten Fragen stellen.
Markus Lanz: Kevin Kühnert musste sich harten Fragen stellen.
Foto: ZDF

Die letzten Monate haben Kevin Kühnert verändert. Bei Markus Lanz saß am Dienstagabend ein wenig kämpferischer Juso-Chef.

Oder wie Markus Lanz zu Beginn des Gesprächs sagt: „Man denkt, da säße Ihr unbekannter Zwillingsbruder." Der Moderator meint damit das Video, in dem Kevin Kühnert zu erklären versucht, warum er nicht zur Wahl des SPD-Vorsitzenden antritt - obwohl nicht wenige sich das gewünscht hätten.

Markus Lanz: Kevin Kühnert wirkt ganz anders

Da wirkt er sehr zurückgenommen, sehr demütig. Ein krasser Gegensatz zum „No-Groko“-Kevin Kühnert, der Ende 2017 massiv die Große Koalition torpediert hatte - und im Extremfall zum Sturz der Bundeskanzlerin Angela Merkel hätte beitragen können.

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Bei Markus Lanz kam Kevin Kühnert nun arg ins Bedrängnis, als es um eine bestimmte Frage ging - auch weil ein anderer Gast ihn verbal in den Schwitzkasten nahm.

Markus Lanz: Spontane Änderung der Gästeliste

Doch Kühnert war erst in der zweiten Hälfte des Talks dran, zunächst ging es um einen neuen drohenden Nahost-Konflikt: Das Thema habe es in letzter Minute in die Sendung geschafft, erklärte Markus Lanz.

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Markus Lanz - das waren die Gäste:

  • Kevin Kühnert, Juso-Chef
  • Claudia Kade, Journalistin
  • Michael Lüders, Nahost-Experte
  • Marcel Fratzscher, Ökonom

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Der Angriff auf Ölfelder in Saudi-Arabien und die Reaktion der Welt darauf war Top-Nachricht des Tages. Deshalb waren bei Lanz spontan der Nahost-Experte Michael Lüders und Marcel Fratzscher, Leiter des Instituts für Wirtschaftsforschung, zu Gast.

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Fratzscher sollte die ökonomischen Folgen erklären (Wird das Öl jetzt teurer), Lüders die politischen (Gibt es jetzt Krieg?).

Angriff in Saudi-Arabien: „Es darf jetzt niemand die Nerven verlieren“

Ihre Einschätzung war wenig erbaulich. Der Nahost-Experte erklärte: „Es darf jetzt niemand die Nerven verlieren“ - denn das könnte in der Tat Krieg bedeuten. Lüders verglich die aktuelle Situation gar mit den Ereignissen, die wie bei einem Domino-Effekt zum ersten Weltkrieg geführt hatten.

Und Fratzscher machte klar: Es seien zwar nur fünf Prozent der weltweiten Ölproduktion vernichtet worden, doch habe das dennoch unmittelbaren Einfluss auf den Preis, den wir alle zu zahlen haben. Keine schönen Aussichten.

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Markus Lanz: „Sie sind ja ein Fan von Roland Kaiser“

Dann leitete Markus Lanz zu Kevin Kühnert über - mit einem launigen Thema: „Sie sind ja Fan von Roland Kaiser.“ Dessen Song „Warum hast du nicht nein gesagt“ passe ja ganz gut zur aktuellen Situation in der SPD. Kühnert konterte: „Auch gut wäre natürlich 'Ich glaub, es geht schon wieder los'.“

Mit dem Spaß-Geplänkel war es dann aber schnell vorbei. Kühnert musste sich bohrenden Fragen stellen - von Markus Lanz und Claudia Kade, die das Politik-Ressort der „Welt“ leitet.

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Die Kernfrage: Warum hat er bei der Wahl der neuen SPD-Spitze auf eine Kandidatur verzichtet? „Das hätte doch was Erfrischendes gehabt“, fand Markus Lanz.

Kevin Kühnert weicht aus

Die Antworten von Kevin Kühnert waren ausweichend - man hatte den Eindruck: Der Juso-Chef windet sich.

Bei einem Wanderurlaub im August sei sein Entschluss gefallen, es gebe da ganz viele Gründe. Markus Lanz hakte nach: „Das hätten Sie doch schon vor Monaten wissen können. Warum haben Sie so lange gewartet mit der Entscheidung?“

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Die Karriere von Kevin Kühnert

  • 1989 in Berlin (West) geboren
  • 2005 trat er in die SPD ein
  • 2012 bis 2015: Landesvorsitzender der Jusos Berlin
  • 2015 bis 2017: Stellvertretender Bundesvorsitzender der Jusos
  • Seit 2017: Bundesvorsitzender der Jusos
  • Zuletzt erklärte Kühnert, nicht zur Wahl des SPD-Parteivorsitzenden anzutreten

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Kevin Kühnert ging in Verteidigungsstellung: „Ich habe nicht auf Zeit gespielt. Ich argumentiere ja auch mit der Kandidatur von Olaf Scholz, die war vor zwei Monaten ja noch nicht bekannt.“ Das war das Stichwort, auf das Lanz gewartet zu haben schien: „Sie haben also gewartet, bis Olaf Scholz in den Ring steigt.“

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Kevin Kühnert kam dann sichtlich in Bedrängnis, er verhaspelte sich immer wieder. Es fiel ihm augenscheinlich schwer, eine klare Antwort zu geben. Er habe auch eine mediale Zuspitzung vermeiden wollen.

„SPD hat weder Führung noch Glaubwürdigkeit“

Da schaltete sich Claudia Kade ein: „Das ist mir zu viel Taktiererei, die mich stört. Die SPD hat gerade die schlimmste Phase ihrer ganzen Geschichte. Sie hat weder Führung, weder Richtung noch Glaubwürdigkeit. Da geht es doch nur um die Frage: Will ich die Partei führen oder nicht?“

Ihr gehe das gegen den Strich: „Olaf Scholz hat verkündet, dass er nicht antritt, jetzt macht er es doch. Martin Schulz hat vorher den gleichen Fehler gemacht. Für den billigen Applaus werden Aussagen getroffen, die hinterher zum Verhängnis werden. Ich kann das gut verstehen, dass die Menschen sich abwenden.“

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Kevin Kühnert versuchte sich dann in komplexen Erklärungsversuchen. Natürlich habe er taktieren müssen: „Mehre ich die Chancen, wenn ich einsteige, dass am Ende ein linkes Personalangebot rauskommt oder schade ich meinem Anliegen, weil ich jemandem den roten Teppich ausrolle, den ich gar nicht haben möchte.“

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SPD-Wahl

  • Das sind die Kandidaten bei der Wahl der neuen SPD-Spitze:
  • Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans
  • Klara Geywitz und Olaf Scholz
  • Dierk Hirschel und Hilde Mattheis
  • Petra Köpping und Boris Pistorius
  • Gesine Schwan und Ralf Stegner
  • Karl Lauterbach und Nina Scheer
  • Christina Kampmann und Michael Roth

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Markus Lanz versucht, Kühnert festzunageln

Markus Lanz versuchte, Kevin Kühnert festzunageln: „Das heißt, Sie sind nicht angetreten, weil Sie nicht wollen, dass Olaf Scholz übernimmt. Jetzt versteh ich das.“

Nein, so sei das auch nicht, da gebe es mehrere Puzzleteile, sagt Kevin Kühnert und spricht dann auch von der krassen Brutalität, die es in der Politik gebe: „Man macht ja seine Erfahrungen. Man weiß, wie manche Leute auf Twitter unterwegs sind und sich nicht zu blöde sind, immer noch mal einen rauszuhauen auf einer sehr persönlichen Ebene.“

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Markus Lanz:

  • „Markus Lanz“ ist eine Talkshow im ZDF, benannt nach Moderator Markus Lanz.
  • Die 75-minütige Sendung wird dienstags bis donnerstags am späten Abend ausgestrahlt.
  • Meistens wird die Sendung einige Stunden vor der Ausstrahlung in einem TV-Studio in Hamburg-Altona aufgezeichnet, mitunter gibt es auch Live-Übertragungen.
  • In jeder Ausgabe der Show empfängt Markus Lanz vier bis fünf (meist prominente) Talk-Gäste, mit denen er zu einem pro Sendung jeweils neuen Thema spricht.
  • Seit über zehn Jahren moderiert der deutsch-italienische Moderator die Talkshow. Seit 2008 wird sie ausgestrahlt

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Hinter einem politischen Amt stehe ja immer auch ein Mensch. Man müsse sich fragen: „Bin ich mir sicher, zwei Jahre diesen Mörderdruck durchzustehen? Wenn ich mir nicht sicher bin, dann wäre es absolut verantwortungslos, mir gegenüber aber vor allem auch der Organisation, die ich vertreten soll“, sagt Kevin Kühnert und erntet dafür Applaus. „Das ist ein nachvollziehbarer Grund“, lenkt Claudia Kade ein.

Wahl des SPD-Vorsitzenden: Chance vertan?

Was bedeutet das für die Karriere von Kevin Kühnert? Ist seine Chance vertan? Markus Lanz lieferte vielleicht den Schlüssel kurz vor Ende der Sendung: „Die Karriere von Juso-Chefs kann sehr unterschiedlich aussehen. Johanna Uekermann ist jetzt Jugendsekretärin bei der Eisenbahn- und Verkehrsgesellschaft. Gerhard Schröder wurde Kanzler. Wo wollen Sie hin?“

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Kevin Kühnerts Antwort: „Ich fühle mich ideologisch Johanna Uekermann näher als Gerhard Schröder. Wenn ich es schaffe, einen Weg zu gehen, der mich ähnlich innerlich ruhen lässt wie Johanna Uekermann und ich in den Spiegel gucken und sagen kann: War jetzt nicht ganz wahnwitzig, was ich in meinem politischen Werdegang gemacht habe, dann bin ich schon zufrieden.“

 
 

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