Markus Lanz – Krasser Vorwurf: „Wähler wurden hinters Licht geführt“

CSU-Politiker Manfred Weber zu Gast bei Markus Lanz.
CSU-Politiker Manfred Weber zu Gast bei Markus Lanz.
Foto: ZDF

Manfred Weber hat harte Wochen hinter sich. Man sieht es ihm an. Der neue Bartschatten lässt sein Gesicht deutlich schmaler wirken als vor der Europawahl. Zwar lächelt der CSU-Politiker unentwegt bei Markus Lanz am Donnerstagabend im ZDF. Aber es wirkt ein bisschen verbissen, wie von einem, der sich arg zusammenreißen muss.

Weber sei jemand, der „erfahren musste, wie brutal Politik wirklich sein kann“, sagt Markus Lanz zu Beginn. „Nur einen Atemzug von einem der mächtigsten Ämter der Welt entfernt“ verlor Weber am Ende völlig überraschend doch.

Markus Lanz: „Es schmerzt“, sagt Manfred Weber

Der CSU-Politiker war der gewählte Spitzenkandidat der Europäischen Volkspartei EVP für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten, nach allen Regeln parlamentarischer Kunst müsste er dieses Amt in Brüssel bekleiden.

Doch stattdessen tauchte urplötzlich Ex-Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen auf - wie aus dem Hut gezaubert.

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Und dann bricht es aus Manfred Weber heraus. „Es schmerzt, es schmerzt schon. Es tut absolut persönlich weh“, sagt er. Er sei enttäuscht, „man spürt auch einen gewissen Frust.“

Markus Lanz: „Manfred Weber wird das nicht machen“

Ein Einspieler zeigt Manfred Weber vor der Wahl bei Markus Lanz, der die ganze Fallhöhe zeigt. Voller Enthusiasmus erklärt Weber damals, wie wichtig ihm das demokratische Prinzip der Wahl zum Kommissionspräsidenten ist: „Ich will es rausziehen aus den Hinterzimmern des Rates.“

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Markus Lanz:

  • Das ist die Fernsehsendung „Markus Lanz“:
  • „Markus Lanz“ ist eine Talkshow im ZDF, benannt nach Moderator Markus Lanz.
  • Die 75-minütige Sendung wird dienstags bis donnerstags am späten Abend ausgestrahlt.
  • Meistens wird die Sendung einige Stunden vor der Ausstrahlung in einem TV-Studio in Hamburg-Altona aufgezeichnet, mitunter gibt es auch Live-Übertragungen.
  • In jeder Ausgabe der Show empfängt Markus Lanz vier bis fünf (meist prominente) Talk-Gäste, mit denen er zu einem pro Sendung jeweils neuen Thema spricht.

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Schon damals prognostiziert Markus Lanz: „Es gibt Leute, die sagen: Manfred Weber wird das wahrscheinlich nicht machen. Weil Frankreich zum Beispiel das nicht möchte.“ Lanz sollte recht behalten.

Marathon gelaufen und gewonnen

„Jetzt sitzt da Ursula von der Leyen“, sagt er zu Weber. „Das ist genau der Schaden, der entstanden ist, keine Frage“, sagt Weber.

„Rheinische Post“-Redakteurin Eva Quadbeck fasst es bei Markus Lanz so zusammen: „Er hat einen Marathon gelaufen, hat ihn gewonnen, und am Ende bekommt Ursula von der Leyen die Medaille umgehängt.“

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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron habe zeigen wollen, „wer die Hosen an hat“, so Quadbeck. Macron hatte im Vorfeld Weber immer wieder angegriffen, wollte ihn als Kommissionspräsident verhindern: Weber sei zu unerfahren, so sein Argument. Als eine Art Kompromisslösung schlug der Europäische Rat dann schließlich sehr überraschend Ursula von der Leyen vor, die das Amt im November antreten wird.

Manfred Weber bei Markus Lanz: „Wähler hinters Licht geführt“

„Man hat die Wähler hinters Licht geführt, sie haben Europa ernstgenommen. Diese Chance haben wir vertan“, sagt Manfred Weber bitter. Weil ein bisschen Pathos in einer Markus-Lanz-Sendung nicht fehlen darf, sagte der Moderator diesen Satz: „Ich hab Sie immer erlebt als jemanden, der so leuchtete von innen. Jemand schrieb in der Süddeutschen neulich: 'Das Leuchten ist weg'“.

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Weber, sichtlich etwas irritiert ob der Aussage, musste sich kurz sammeln. „Ach, das hoffe ich nicht“, sagt er dann. Politik sei ein sehr hartes Geschäft, das wisse er. Aber er brenne weiterhin „für ein geeintes Europa, ein demokratisches Europa, das aus dem Parlament entschieden wird.“ Dafür gab es Applaus.

 
 

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