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Mannichl: Ich wurde zum Gespött der Rechten

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Foto: ddp

Passau. Der Passauer Polizeichef Mannichl sieht sich als Opfer eines rechtsradikalen Wahnsinnigen. Er beklagt, dass er nach der Messerattacke zum Gespött der rechten Szene geworden sei. „Dieser Erfolg war für den Täter wesentlich größer, als wenn er mich getötet hätte“, sagt Mannichl.

Der bei einer Messerattacke im Dezember schwer verletzte Passauer Polizeidirektor Alois Mannichl sieht sich als Opfer eines «Wahnsinnigen». «Für mich ist klar, dass er ein Wahnsinniger ist», sagte er dem Magazin «Stern» über den Mann, der ihn am 13. Dezember niedergestochen hat. Mannichl bekräftigte außerdem seine Einschätzung, der Täter sei «ein überzeugter Rechter», dieser müsse aber nicht in einer Organisation sein. Derartige Einzeltäter seien allerdings am schwierigsten zu ermitteln, fügte er hinzu.

Mannichl und seine Frau Anneliese beklagten, dass nach der Tat auch die Familie unter Verdacht geraten und zum Gespött der rechten Szene geworden sei. «Dieser Erfolg war für den Täter wesentlich größer, als wenn er mich getötet hätte. Der muss ja strotzen vor Selbstbewusstsein», sagte der Polizeichef. Seine Frau erzählte: «Als mein Mann außer Lebensgefahr war, dachte ich, das Schlimmste wäre überstanden. Ich hätte nie für möglich gehalten, was danach noch über uns hereingebrochen ist.»

Wochenlang durch die Hölle gegangen

Dass auch im Familienkreis ermittelt wurde, bezeichnete der Beamte dennoch als richtig und normal. Es habe aber zu lange gedauert, bis Entlastendes mitgeteilt worden sei, beklagte das Ehepaar. Sie und ihre beiden Kinder seien «wochenlang wirklich durch die Hölle gegangen».

Seine Wunde sei sehr gut verheilt, sagte Alois Mannichl. Nach wie vor müsse in der Familie aber «die Angst verarbeitet werden, dass dieser Wahnsinnige irgendwann wiederkommt».

Mannichl war am 13. Dezember vor seinem Haus in der Nähe von Passau mit einem Messer aus seinem eigenen Haushalt niedergestochen worden. Er selbst beschrieb den Angreifer als Glatzkopf, der ihm Grüße «vom nationalen Widerstand» ausgerichtet habe. Die Ermittlungen hatten sich daraufhin zunächst auf die rechte Szene konzentriert. Erste Verdächtige mussten allerdings wieder freigelassen und Phantombilder zurückgezogen werden. Die Polizei ermittelt inzwischen in alle Richtungen. (ap)

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