Erheblicher Vorwurf: Versucht die ARD ihre Zuschauer mit einer Sprachregelung zu manipulieren?

Die ARD steht wegen eines Dokuments in der Kritik.
Die ARD steht wegen eines Dokuments in der Kritik.
Foto: dpa

Ein 89-seitiges Dokument, das von der ARD an seine Mitarbeiter ausgegeben wurde, sorgt für Diskussionen im Netz.

Mit dem Dokument unter dem Titel „Framing Manual – Unser gemeinsamer Rundfunk“ gibt die ARD seinen Mitarbeitern Tipps, wie die Öffentlich-Rechtlichen durch gezielte Nutzung von Sprache moralisch überlegener wirken als ihre Konkurrenz.

Im Handbuch, das bereits vor zwei Jahren von einem US-amerikanischen Institut entworfen und von der Seite netzpolitik.org ins Netz gestellt wurde, steht, dass man durch moralische Argumentation eine Frage auf die Antwort geben muss: „Wieso ist die ARD gut – nicht schlecht, wie Ihre Gegner es halten; und wieso ist es wichtig und richtig, die ARD in ihrer Form zu erhalten – nicht überflüssig und falsch, wie Ihre Gegner es propagieren. “

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ARD muss sparen, Wert der Öffentlich-Rechtlichen soll erkennbar sein

Beispiele für das Bild von der ARD, das durch die Nutzung der Sprache erschaffen wird: „Wir nehmen jeden ernst – auch Deinen Stammtisch“, „Wir sind Deins“ oder „Andere wollen Geldgewinne. Wir wollen Erkenntnisgewinn“.

Was soll das Ganze?

Die ARD steht vor einem Umbruch. Den öffentlich-rechtlichen Sendern droht ein massiver Sparkurs, wenn die Finanzierung ab 2020 geändert wird. Im Raum steht ein Indexmodell zur Finanzierung der Sender.

Das heißt, die Rundfunkgebühr steigt mit der Inflationsrate. Tatsächlich brauchen die Sender aber deutlich mehr Geld als die Beiträge decken. Schon jetzt muss bei den Sendern an vielen Ecken gespart werden. Die Chefs von ARD und ZDF forderten schon eine Erhöhung des Beitrags.

Spezielle Bezeichnung für private Konkurrenz

Kein Wunder also, dass das Strategiepapier schon als „Dokument der Angst“ (Spiegel online) bezeichnet wurde.

Die ARD will als moralischer Akteur überlegen dastehen und ihren Wert für die Demokratie verteidigen. Dazu gehört auch, dass die private Konkurrenz im sprachlichen Gebrauch des Schreibens auch als „profitwirtschaftliche Sender" oder „medienkapitalistische Heuschrecken“ bezeichnet werden.

Im Netz wurden nach der Veröffentlichung bereits Manipulationsvorwürfe laut.

Dokument wird verteidigt

Will die ARD durch den Gebrauch von Sprache die Zuschauer und Zuhörer manipulieren? Das bestreitet die ARD-Generalsekretärin Susanne Pfab. Sie sagt: „Wir kommunizieren ehrlich, indem wir die Werte offenlegen, für die wir stehen.“

Auch Wissenschaftlerin und Autorin des Papiers Elisabeth Wehling verteidigt das Dokument. Es gehe darum, der „ARD darin eine gedankliche Grundlage zu schaffen für eine Kommunikation, die auf Basis der unbestrittenen Fakten den tatsächlichen Wert des öffentlich-rechtlichen Rundfunks für die Demokratie schon auf den ersten Blick besser erkennbar macht.“ (jg)

 
 

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