„Maischberger“ (ARD): Als Boris Palmer DAS sagt, reagiert Karl Lauterbach reagiert sofort: „So ein Unsinn“

Maischberger, Lanz und Co.: Das sind die deutschen Talkmaster

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Bei dieser Gäste-Auswahl war schon vor Sendebeginn klar, das es knallen könnte. Boris Palmer (Grüne), Oberbürgermeister von Tübingen, sorgt mit seinen Aussagen immer wieder für hitzige Diskussionen. Auch bei „Maischberger“(ARD) kam es im Nachgang zu einer deutlichen Reaktion, doch auch im Studio gab ein Intensivmediziner ihm Kontra.

Karl Lauterbach, der bei „Maischberger“ selbst in einem kurzen Video zu sehen war, in welchem er vor Beginn der Bund-Länder-Konferenz vor der Verbreitung der Corona-Mutationen warnte, konnte sich auf Twitter einen deutlichen Kommentar nicht verkneifen. Er urteilte deutlich in Richtung der Aussagen von Boris Palmer: „So ein Unsinn“.

„Maischberger“ (ARD): Fernsehmoderator outet sich als Lauterbach-Fan

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach konnte die erste Viertelstunde von „Maischberger“ fast schon mit Genugtuung verfolgen. Vor allem bei der Aussage von Fernsehmoderator Hubertus Meyer-Burckhardt. Der hatte zuvor über Lauterbach gesagt, dass er lange genervt von den pessimistischen Auftritten des Politikers gewesen sei. Doch inzwischen, glaubt Meyer-Burckhardt, könne vielleicht sogar eine Freundschaft entstehen. „Ich finde, er hat immer recht gehabt mit dem, was er sagt. Und je mehr er recht hatte, umso humorvoller wurde er.“

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Dann wurde auch Lauterbach selbst eingeblendet. Er warnte, es müsse „verschärft werden“, da die Viren aus Südafrika und Großbritannien wie „Turbo-Viren“ wirken würden. Doch mit dem lauterbachschen Schau-Genuss war es schon wenige Minuten später vorbei.

Moderatorin Sandra Maischberger spricht mit dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer und dem Intensivmediziner Uwe Janssens über die neuen Corona-Maßnahmen. Vor allem die Aussagen von Boris Palmer brachten Lauterbach dabei auf die Palme - doch nicht nur ihn.

Intensivstationen als Maßstab für Corona-Lage?

Janssens verteidigt im Gespräch aus medizinischer Sicht die Verlängerung des Lockdowns. Es gebe eine „große Sorge“ vor den Mutationen. Palmer lobt zumindest in der Möglichkeit, schon in wenigen Tagen die Kitas und Grundschulen öffnen zu dürfen. Es gebe eine „Triage haben wir an der Kinder- und Jugendpsychiatrie“ in Tübingen.

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Janssens warnt deutlich und erinnert an den November. Damals seien die Läden und Einkaufsstraßen voll gewesen. Wenn man nun öffne, müsse die Gesellschaft „bereit sein, zu akzeptieren, dass damit auch Sterbefälle verbunden sind.“ Palmer wirbt daraufhin jedoch weiter für kontrollierte Öffnungen.

Das „muss man meiner Meinung nach machen.“ Erst, „wenn die Intensivstationen überlastet werden, wenn das droht, sind Einschränkungen notwendig.“ Die Situation in den Kliniken sei im Moment allerdings „sehr gut beherrschbar“. „Wir müssen jetzt kontrolliert öffnen“, so der Grünen-Politiker.

Lauterbach via Twitter: „So ein Unsinn“

Diese Forderung des Politikers kann Karl Lauterbach nicht unkommentiert lassen. Auf Twitter reagierte der SPD-Politiker und Gesundheitsexperte noch während der Sendung: „Verstehe noch immer nicht Position von Boris Palmer, jetzt bei Maischberger: ‚Restriktionen ab Auslastung der Intensivstationen‘. Ehrlich gesagt: so ein Unsinn. Hälfte der Patienten stirbt dort. Rest hat Schäden oft für Rest des Lebens. Das Riesenleid von LongCovid spielt keine Rolle...“

Auch im Studio von Maischberger widerspricht Intensivmediziner Janssens dem Tübinger OB deutlich. In der vergangenen Woche habe es das Zitat gegeben, Corona sei ein „Stresstest der Intensivstationen“. Aber: „Die Intensivstationen sind nicht der Ort, an dem wir testen sollten, ob die Pandemie zu wirken anfängt. Wenn die Leute auf den Intensivstationen ankommen, dann ist es eigentlich schon zu spät. Das muss man an dieser Stelle noch einmal betonen. Dann ist der Zug schon längst abgefahren.“

Intensivmediziner eindringlich: „Sehe Menschen wochenlang kämpfen“

Man befinde sich was die Zahl der Intensivbetten angeht in Deutschland „im Land der Glückseligen“, doch die Zahl der Intensivbetten sei für Zeiten ohne Pandemie ausgerichtet. „Es ist ein wirklich falscher Gedanke, die Intensivbetten als Maßstab zu nehmen.“ Dann wird es in der Diskussion zwischen Janssens und Palmer bei „Maischberger“ fast schon skurril.

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Alle Gäste bei „Maischberger“:

  • Uwe Janssens, Intensivmediziner
  • Boris Palmer, Thübinger Oberbügermeister
  • Tal Zaks, Chefmediziner des US-Impfstoff-Unternehmens Moderna
  • Udo Lielischkies, ARD-Russland-Korrespondent
  • Hubertus Meyer-Burckhardt, Fernsehmoderator
  • Anna Mayr, Journalistin
  • Anette Dowideit, Journalistin

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Palmer sprach von zerstörten Existenzen, bei denen es auch einen „Zielkonflikt“ mit dem Schutz von Leben gebe. Er spüre die Verzweiflung derer, die ihre Geschäfte verlieren. Bei den Maßnahmen gebe es zwischen beidem, dem Schutz des Lebens und der Sicherung von Existenzen, eine Abwägung, die „kann man so oder so treffen.

Janssens wird darauf emotional. Auch ihm tue es persönlich auch weh, aber „ich sehe Menschen sterben, sehe Leute wochenlang, um ihr einziges Leben was sie haben kämpfen, weil sie dann an dem Virus am Ende leider Gottes sterben. Das kann ich manchmal in diesem Konflikt nicht mehr gegeneinander abwiegen. Da schlägt bei uns Medizinern das Herz natürlich ganz nah bei diesem Patienten.“ Und dann mag man kaum glauben, welche Analogie Palmer darauf zieht.

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Palmer-Vergleich sorgt für Zuschauer-Kritik: „Kälte lässt mich erschauern“

„Mein Herz schlägt für die Altstadt, die historische Altstadt“, unterbricht der Politiker den Intensivmediziner. „Das ist mehr als ein Handelsplatz. Da kommen Menschen zusammen, da entsteht Bürgersinn, Bürgerstolz“, so Palmer weiter.

Die Zuschauer quittieren den Vergleich eindeutig. „Diese Kälte mit der Boris Palmer Menschenleben und die Mitarbeiter in den Kliniken verheizen will, lässt mich erschauern“, schreibt einer auf Twitter. Auch ein anderer meint: „Wie infam es in Wahrheit ist die Existenzkrise im Handel gegen das Sterben auf den Intensivstationen auszuspielen – das merkt in der eiskalten Fernsehwelt kaum noch jemand. Nur der Arzt wirkt sehr bedrückt.“ (dav)

Die gesamte Folge von „Maischberger“ kannst du hier in der ARD-Mediathek anschauen.