Liebe SPD, lass es lieber sein...

Natürlich sind jetzt viele Schlaumeier unterwegs. Die suchen einen Kanzlerkandidaten. Die Wahl ist aber erst nächstes Jahr. Da kann viel passieren. Sehr viel. Vielleicht wird Euer Kandidat ja in dieser sehr langen Zeit zerbröselt. Dann hätte er verloren, bevor er so richtig angefangen hat. Nicht alle Schlaumeier meinen es gut mit Euch. Andere sind auch mehr Meier als schlau.

Ist erst einmal ein Kanzlerkandidat ernannt oder gewählt, ändert sich für diesen Menschen alles. Aus dem Kandidaten wird dann nämlich der gedachte Kanzler.

Jedes Wort wird auf die Goldwaage gelegt. Es wiegt dort schwer. Alles was der Kandidat erzählt, wird bewertet, als ob es ein Bundeskanzler gesagt hätte. Das ist keinesfalls ungerecht. Der Mann will ES schließlich werden, da ist jedes Interview ein Kanzlertest.

SPD, lass dich nicht verführen!

Wie auch jedes Foto. Nehmen wir an, Frank-Walter Steinmeier (Euer Kanzlerkandidat) schaut eines ­morgens im Beisein von Kameras und Foto-Objektiven blöd aus der Wäsche (jeder schaut öfter am Tag seltsam aus). Irgendjemand druckt das Bild dann und die Schlagzeile ist selbstredend stets dieselbe: Und jemand, der so dämlich ausschaut, soll Deutschland regieren?

Liebe SPD, lass es sein! Lass Dich nicht verführen. Angela Merkel hatte auch sehr viel Zeit, sich daran zu ­gewöhnen, wie das ist, wenn man keinen Schritt mehr tut und kein Wort mehr sagt, ohne dass jemand dabei ist. Sie hatte diese Zeit nötig. Wenn Ihr Euren Kanzlerkandidaten, sagen wir: drei Wochen vor der Wahl verkündet, reicht das völlig aus.

Zeit für was Neues

Was, das ist zu kurz? Wieso: Was soll schon passieren? Die, um die es geht, kennt doch Jedermann. Sollen doch irgendwelche Traditionalisten sich beschweren, Motto: Das haben wir noch nie so gemacht. Na und, dann ist eben Zeit für was Neues. Wer Menschen überraschen kann, wird sie am Ende für sich gewinnen.

Es ist auch viel menschenfreund­licher. Steinmeier hätte dann bis 21 Tage vor der Wahl Schonzeit. Zeit ­also, ein halbwegs normaler Mensch zu sein. Gönnt es ihm. Und wenn Ihr dann doch nicht so menschenfreundlich sein möchtet: Dann gönnt es eben Euch. Steinmeiers Schonzeit ist nämlich auch Eure.

 
 

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