Lehrer scheuen schlechte Noten

Hagen..  Das Ziel der Landesregierung, weniger Schüler sitzen bleiben zu lassen, stößt bei einem Teil der nordrhein-westfälischen Lehrerschaft auf Kritik. Als „völlig übertrieben“ und „pädagogisch unangemessen“ bezeichnet Peter Silbernagel vom Philologenverband NRW die neuen Vorgaben. Der Bürokratie-Aufwand für die individuellen Förderpläne sei riesig, kritisiert er.

Seit kurzem müssen die Lehrer in Grundschulen und in der Sekundarstufe I für jeden Schüler, dem eine Fünf oder Sechs auf dem Zeugnis droht, einen individuellen Förderplan ausarbeiten. Nach Information dieser Zeitung führt das dazu, dass mancher Lehrer sich eher für den weniger aufwendigen Weg entscheidet und einem Schüler lieber eine Vier Minus gebe, anstatt eine schlechtere Note begründen zu müssen. Somit würden die Hürden für schlechte Noten in Nordrhein-Westfalen immer höher. „Wir schleppen jetzt Leute durch, die es früher nicht geschafft hätten“, sagte eine Lehrerin aus dem Kreis Kleve. Die Vergabe schlechter Noten werde geradezu verteufelt.

Hintergrund ist die beinahe bundesweite Tendenz, die Zahl der Sitzenbleiber an Schulen deutlich zu reduzieren. Sitzenbleiben sei nutzlos und teuer, das ergab bereits 2009 eine Studie des Essener Bildungsforscher Klaus Klemm für die Bertelsmann-Stiftung, die sich nachhaltig auf die Schulpolitik vieler Bundesländer auswirkte. Demnach kostet das Sitzenbleiben jedes Jahr bundesweit eine Milliarde Euro, ohne pädagogische Erfolge zu zeigen.

„Sitzenbleiben ist Lebenszeitverschwendung“, argumentiert auch NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne). In den vergangenen zehn Jahren wurde der Anteil der Sitzenbleiber bereits von 4,5 auf 2,1 Prozent (2011/12) reduziert.

 
 

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