Landesregierung macht Weg für Zwerg-Grundschulen frei

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Das rot-grüne Kabinett hat das neue Grundschulkonzept formell abgesegnet. Damit dürfen künftig auch jahrgangsübergreifende Klassen gebildet werden, damit Kinder in den ersten vier Jahren möglichst wohnartnah unterrichtet werden.

Düsseldorf. In NRW sollen Zwerg-Grundschulen künftig auch dann überleben können, wenn immer weniger Erstklässler nachwachsen. Gestern beschloss das Landeskabinett das neue Konzept, mit dem ein wohnungsnahes Schulangebot gesichert werden soll: Die Mindestschülerzahl wird gesenkt, außerdem werden besonders kleine Teilstandorte zugelassen. „Wir tragen dem Prinzip ‚Kurze Beine – kurze Wege’ auch künftig Rechnung“, so Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne). Der Landtag muss noch zustimmen.

Auch einzügige Grundschulen möglich

Nach dem Gesetzentwurf muss eine Grundschule, wenn sie eigenständig fortgeführt werden soll, mindestens 92 Schüler haben. Bisher gilt eine Soll-Stärke von 144 Kindern. Das heißt, dass einzügige Grundschulen möglich sind. Die letzte Grundschule in einer Kommune kann sogar mit 46 Schülern in zwei jahrgangsübergreifenden Klassen bestehen bleiben.

Grundschulen mit weniger als 92 und mindestens 46 Jungen und Mädchen können aber nur als Teilstandorte geführt werden. Sie stehen unter der Aufsicht einer größeren Schule. Dafür wird dem Rektor oder der Rektorin mehr unterrichtsfreie Leitungszeit zugestanden. Das Gesetz, das zum neuen Schuljahr in Kraft treten soll, lässt in Ausnahmefällen noch kleinere Schulableger zu.

Sinkende Schülerzahlen

Bis 2010 war die Schülerzahl im Primarbereich in zehn Jahren um fast 18 Prozent gesunken, die Zahl der Grundschulen aber nur um 9,3 Prozent. Die Politik agiert vor Ort häufig in einem Spannungsfeld: Einerseits können die Kommunen Mini-Schulstandorte kaum noch halten, andererseits entspricht gerade das dem Wunsch vieler Eltern. „Nachvollziehbar“, findet Löhrmann. Um das neue Konzept pädagogisch abzusichern, belässt die rot-grüne Landesregierung bis 2015 zusätzliche 1700 Lehrerstellen, die eigentlich wegen rückläufiger Schülerzahlen gestrichen werden müssten, „im System“.

Teilstandorte auch für Gesamtschulen

Der Gesetzentwurf gehört zum Schulkonsens, den CDU, SPD und Grüne im Juli 2011 ausgehandelt hatten. Vereinbart wurde auch, den Richtwert für die Schülerzahl in Grundschul-Klassen schrittweise bis 2015 auf 22,5 zu senken. In diesem Haushaltsjahr ist noch ein Wert von 23,75 vorgesehen. Sehr große Klassen mit mehr als 29 Schülern sollen in jedem Fall vermieden werden.

Nach dem Kabinettsbeschluss wird auch Gesamtschulen die Gründung von Teilstandorten erlaubt, wenn damit das Schulangebot erhalten bleibt. Bedingung ist, dass es keine Sekundarschule vor Ort gibt.

Darüber hinaus wird es Lehrern mit dem neuen Gesetz für die Jahre 2013 bis 2018 ermöglicht, an einer berufsbegleitenden Qualifizierung in sonderpädagogischer Förderung teilzunehmen. Damit soll der wachsende Bedarf an Sonderpädagogen „zeitnah“ gedeckt werden, so die Ministerin.

 
 

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