Lammert fordert von der Zeitung vor allem Haltung

Annika Fischer
Die Redaktion vor der WAZ-Tribüne im RWE-Stadion. Ganz vorn Ehrengast Norbert Lammert im Kreis der Chefredaktion mit Chefredakteur Ulrich Reitz (r.) und Stellvertreter Wilhelm Klümper (l.) sowie Christian Nienhaus, Geschäftsführer der Funke-Mediengruppe (hinten
Die Redaktion vor der WAZ-Tribüne im RWE-Stadion. Ganz vorn Ehrengast Norbert Lammert im Kreis der Chefredaktion mit Chefredakteur Ulrich Reitz (r.) und Stellvertreter Wilhelm Klümper (l.) sowie Christian Nienhaus, Geschäftsführer der Funke-Mediengruppe (hinten
Foto: Jakob Studnar
Der Bundestagspräsident sprach zum Jahrestreffen der WAZ-Redaktion über die Bedeutung der Printmedien, die Orientierung bieten müssten.

Essen.  Es gibt ja die Stimmen, die vom Untergang der Tageszeitung singen, dabei wird sie gebraucht! So klingt die Botschaft, die die WAZ-Redaktion bei ihrem traditionellen Jahrestreffen am Wochenende hörte, diesmal im neuen Stadion von Rot-Weiss Essen.

„Print lebt“, versprach Christian Nienhaus, Geschäftsführer der Funke-Mediengruppe, die sich gerade mit weiteren Blättern aus Hamburg und Berlin verstärkt. Und Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) aus Bochum, der Geburtsort und -jahr mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung teilt, erklärte als Gastredner: „Zeitungen sind systemrelevant.“ Die Arbeit der Redaktionen seien bestimmend auch für das politische Handeln.

Was Zeitungen haben sollten, mahnte Lammert, „ist eine Haltung“. Besonders die demokratische Gesellschaft brauche das: Haltung und Orientierung, gerade in Zeiten, in denen eine Datenflut aus dem Internet die Menschen zu überschwemmen droht. Die Veränderungen durch die Digitalisierung habe „nicht nur ökonomische Konsequenzen, sondern heftige Folgen für das Informationsniveau und das Urteilsvermögen einer Gesellschaft“. Der „prinzipielle Unterschied“ zwischen dem Zeitungsleser und dem willkürlich im Netz surfenden Nutzer sei: „Derjenige, der eine Zeitung liest, setzt sich mit Informationen auseinander, die andere ausgesucht haben und für relevant halten.“

Journalisten eben, möchte man hinzufügen, die genau das gelernt haben – und diese Kompetenz auch ins Internet tragen. Im laufenden Jahr hat die WAZ den Auftritt der Zeitung auch im Internet weiter ausgebaut, auf WAZ.de, in Apps, sozialen Netzwerken, im ePaper. Sie lässt den Leser auch dort nicht allein.

Das begrüßt wohl auch Norbert Lammert, der betonte: Je stärker der Einzelne sich auf das verlasse, was nur „er selbst für spannend hält, desto oberflächlicher wird das Informationsniveau einer Gesellschaft“. Es wäre „kein Erfolgsmodell“, ja sogar die „Selbstabdankung“ für die Printmedien, „sich den Taktzahlen des Internets zu unterwerfen“. Mit einem täglich hohen Anspruch an die eigene Qualität müsse eine Zeitung der digitalen „Dominanz von Bildern gegenüber Texten, Schlagzeilen gegenüber Analysen, Personen gegenüber Sachverhalten und Schnelligkeit gegenüber Gründlichkeit“ begegnen. Falsch sei es auch, warnte der Bundestagspräsident, anzunehmen, die Gesellschaft nähme nur wahr, was in Form von Unterhaltung angeboten wird. Das sei „eine maßlose Unterschätzung ihres Informationsanspruchs“.

Die WAZ-Redaktion stellt sich der Herausforderung, auch online zu informieren, zu werten und gewichten, jeden Tag aufs Neue, versucht, die beiden Welten zu verbinden. „Stillstand kennt diese Truppe nicht“, erklärte Chefredakteur Ulrich Reitz, „wir gehen die Dinge mit Leidenschaft und Herzblut an.“