Längere Laufzeiten sorgen für reichlich Atommüll

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Hamburg/Köln. Längere Laufzeiten für deutsche Atomkraftwerke würden die Atommüll-Menge nach Angaben der Bundesregierung massiv erhöhen. Das ergab eine Anfrage der Grünen. Zudem gibt es erneute Kritik am Eignungsverfahren für den Standort Gorleben. Greenpeace weist mit einer Aktion auf das Thema hin.

Längere Laufzeiten für die Atomkraftwerke in Deutschland würden die Menge des anfallenden Atommülls nach einer Berechnung der Bundesregierung massiv erhöhen. Blieben alle in Betrieb befindlichen Meiler acht Jahre länger als geplant am Netz, würde die Gesamtmenge der durch Abfall anfallenden Radioaktivität gegenüber dem geplanten Ausstiegsszenario um 28 Prozent steigen, berichtete die «Berliner Zeitung» am Freitag unter Berufung auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen.

2960 Tonnen Atommüll mehr durch Verlängerung

In der Antwort beziffert die Regierung dem Bericht zufolge den bis Ende 2007 angefallenen Atommüll auf insgesamt 5832 Tonnen Brennelemente. Bis zur geplanten Abschaltung des letzten Kernkraftwerkes im Jahre 2022 werden danach 4800 weitere Tonnen anfallen. Dazu kommt noch der in verglasten Behältern angefallene Müll aus den Wiederaufbereitungsanlagen. Bei einer Verlängerung der Laufzeiten um acht Jahre, wie sie von Fachpolitikern von Union und FDP erwogen wird, kämen noch einmal 2960 Tonnen hinzu.

Eine solche Verlängerung der Laufzeiten sei «zutiefst verantwortungslos», sagte der Energieexperte der Grünen, Hans-Josef Fell, der Zeitung. «Niemand weiß heute, wo der Atommüll hin soll.»

„Eignungsverfahren hat es nie gegeben“

Auch im Streit um die Eignung des niedersächsischen Standorts Gorleben als atomares Endlager geht die Debatte weiter. Atomkraftgegner haben erneut das Auswahlverfahren kritisiert. «Ein Eignungsverfahren hat es nie gegeben», sagte Wolfgang Ehmke, Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, am Freitag dem Radiosender WDR 5. Ein Gutachten aus den achtziger Jahren, das sich für den Standort ausgesprochen hatte, sei zwar nicht manipuliert worden. Die Entstehung des Gutachtens sei aber «sehr merkwürdig verlaufen», da in einer früheren Untersuchung eine «klare Warnung vor Gorleben» ausgesprochen worden sei.

An ein baldiges Ende der Diskussion über den Standort Gorleben als Endlager glaubt Ehmke nicht. «Das sagen Politiker, aber wir glauben Politikern nicht recht», sagte der Sprecher. Neben Union und FDP trage auch Rot-Grün eine Verantwortung für das Festhalten an Gorleben, da unklare Begriffe in den Atomkompromiss übernommen worden seien. Es gebe jetzt «historisch die Chance, den Fehler Gorleben zu korrigieren», sagte Ehmke. Deshalb sei am kommenden Mittwoch erneut eine Protestaktion in Berlin geplant.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte am Donnerstag gesagt, der Standort Gorleben sei «faktisch tot». Grundlage der neuerlichen Diskussion um den Standort ist ein Fernschreiben aus dem Jahr 1983, das politischen Druck der damaligen Regierung auf eine wichtige Gorleben-Studie nahelegt, die für den Standort votierte.

Greepeace will acht Akws abschalten

Die Umweltorganisation Greenpeace hat unterdessen mit einer spektakulären Aktion auf die Atomproblematik aufmerksam gemacht. Zum achten Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September haben die Aktivisten mit Protestaktionen an den ältesten deutschen Atomkraftwerken vor Anschlagsgefahren gewarnt. Die Umweltschützer warfen am Freitagmorgen nach eigenen Angaben auf die Atommeiler mit Diaprojektoren die Botschaft: «Nur abschalten ist sicher!» Die Aktionen fanden demnach an den ältesten deutschen Akws Biblis A und B, Brunsbüttel, Philippsburg 1, Isar 1, Unterweser, Neckarwestheim sowie am Pannenreaktor Krümmel statt.

Diese acht Atomkraftwerke könnten nach Ansicht von Greenpeace sofort abgeschaltet werden, ohne die Stromversorgung zu gefährden. Bis 2015 könnte Deutschland ganz aus der Atomkraft aussteigen und auf erneuerbare Energien umsteigen. Die Umweltschützer kritisierten zudem, dass es acht Jahre nach dem 11. September 2001 noch immer keine ausreichenden Schutzmaßnahmen gegen Terrorangriffe auf ein Akw gebe.(afp/ddp)

 
 

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