Kuchen-Pause

Der Kollege war 55 geworden. Das ist eine Schnapszahl, aber er spendierte Kuchen, vier Sorten standen zur Auswahl – es gibt weit schlimmere Möglichkeiten, seinen Nachmittag im Büro zu beginnen. Frisch aufgebrühter Kaffee wurde gereicht und Sahne. Kollegin K. herzte den Spender innig und sagte, dass man ihm sein Alter wirklich nicht ansehe. Dann lachte sie laut auf und drückte ihm ein Buch in die Hand, in dem es um all die Dinge geht, die man von Ärzten nie wieder hören möchte. Wenig später entdeckte ich es zufällig auf einer Fensterbank, zusammen mit dem Erotik-Thriller „Karibik und die wilde Leidenschaft“, den die Foto-Abteilung überreicht hatte, um kurz zu feixen, dass er nun in einem Alter sei, wo man für Anregungen dankbar ist, und sich anschließend ausgiebig über die Platten herzumachen. War Undank nicht schon immer der Welten Lohn? Ein treffliches Wort zum Gehalt übrigens fand einst Friedrich Engels: „In demselben Maße, in dem die Widerwärtigkeit der Arbeit wächst, nimmt der Lohn ab.“ Was bleibt da noch? Richtig: Schönes Wochenende!

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