Kritik an Ruhr-Uni wegen Forschung für die US-Luftwaffe

Matthias Korfmann
Militärforschung hat in Deutschland keinen guten Ruf. 14 deutsche Universitäten haben sogar eigene Zivilklauseln, die festlegen, dass Lehre und Forschung nur friedlichen Zwecken dienen darf. Die Ruhr-Uni Bochum hat keine Zivilklausel.
Militärforschung hat in Deutschland keinen guten Ruf. 14 deutsche Universitäten haben sogar eigene Zivilklauseln, die festlegen, dass Lehre und Forschung nur friedlichen Zwecken dienen darf. Die Ruhr-Uni Bochum hat keine Zivilklausel.
Foto: Hans Blossey
Die Ruhr-Uni soll 108. 000 Dollar Drittmittel vom Pentagon erhalten haben. Angesichts des Engagements deutscher Wissenschaftler für US-Verteidigungsbehörden fordern Friedensforscher die Unis auf, Zivilklauseln zu verabschieden. Der NRW-Landtag macht die Rüstungsforschung in einer Aktuellen Stunde zum Thema.

Bochum. Die Ruhr-Uni Bochum bestätigt, dass die Fakultät für Maschinenbau im Jahr 2010 einen Forschungsauftrag der US-Luftwaffe angenommen hat. Der zuständige Lehrstuhlinhaber, Alfred Ludwig, beteuert, es habe sich dabei um reine Grundlagenforschung im Bereich der Materialwissenschaft gehandelt. „Einen militärischen Nutzen dieser Forschungsarbeiten gibt es meines Erachtens sicher nicht“, sagte der Professor gestern, „sonst hätten wir das auch nicht gemacht.“

Dem Dortmunder Friedensforscher Jürgen Altmann zufolge vergibt das in diesem Fall auftraggebende US-Militärforschungszentrum aber nur solche Aufträge, die „perspektivisch militärischen Nutzen“ bringen können. Laut „Süddeutscher Zeitung“ hat das Pentagon in den letzten 13 Jahren an mindestens 22 deutsche Unis und Forschungseinrichtungen Aufträge vergeben. Volumen: 10 Millionen Dollar.

Zivilklausel für nicht-militärische Forschung

Militärforschung hat in Deutschland keinen guten Ruf. 14 deutsche Universitäten haben sogar eigene Zivilklauseln, die festlegen, dass Lehre und Forschung nur friedlichen Zwecken dienen darf. Die TU Dortmund gehörte 1991 zu den ersten deutschen Hochschulen, die eine solche Klausel einführten.

Die Ruhr-Uni Bochum hat keine Zivilklausel. Und seit Montag muss die größte Uni des Ruhrgebiets erklären, warum ein Lehrstuhlinhaber der Fakultät für Maschinenbau ausgerechnet einen Forschungsauftrag des US-Militärs angenommen hat.

Es ging um reine Grundlagenforschung und Methodenentwicklung, heißt es dazu. „Diese wird in den USA oft über Militäreinrichtungen gefördert. EOARD fördert Grundlagenforschung in Europa“, erklärt der zuständige Professor Alfred Ludwig. EOARD ist der Geldgeber für das Forschungsprojekt, das „European Office of Aerospace Research & Development“. Hinter dem europäischen Namen steht aber ein Forschungszentrum der US-Luftwaffe: „Air Force Research Laboratory“.

Viel Militärinvestitionen in Institute jenseits der Unis

Das NRW-Wissenschaftsministerium bewertet Forschung zu militärischen Zwecken an Universitäten grundsätzlich kritisch. „Wir fördern und fordern diese Art von Forschung nicht“, sagte ein Ministeriumssprecher. Im Entwurf für das geplante NRW-Hochschulzukunftsgesetz sei die Einführung einer Zivilklausel für Universitäten vorgesehen. Der Landtag wird sich am Freitag in einer Aktuellen Stunde mit der Rüstungsforschung befassen.

Der Geschäftsführer der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler, Reiner Braun, hält Forschung für Rüstungszwecke für „ethisch nicht verantwortbar.“ Die Diskussion über Militärforschung in Deutschland erreiche nun „eine neue Qualität“, weil das Pentagon als Auftraggeber in Erscheinung tritt.

Der Dortmunder Friedensforscher Jürgen Altmann relativiert: „Wir sehen, dass der größte Teil der US-Militärforschungsmittel eben nicht in deutsche Einrichtungen fließt. Die Aufträge gehen vor allem an Forschungseinrichtungen außerhalb der Unis. In der Fraunhofer-Gesellschaft wird zum Beispiel relativ viel Militärforschung betrieben.“

Jürgen Altmann empfiehlt Unis, die keine Zivilklausel haben, darüber nachzudenken, „dass es eine Mitverantwortung der Wissenschaft für den Weltfrieden gibt.“ Die deutsche Wissenschaft sei aber misstrauischer gegenüber Militärforschung als zum Beispiel Forscher in den USA oder in Frankreich.

Altmann: „Dennoch muss immer wieder über diese Forschung geredet werden. Es ist wichtig, dass nichts verdrängt wird, dass insbesondere die Natur- und Technikwissenschaft nicht blind forscht, sondern offen und wach ist gegenüber den möglichen Folgen.“