Krisenland Venezuela muss UN um Arzneimittelhilfe bitten

Mütter mit Babys vor einer Apotheke: Sie versuchen, Windeln zu bekommen.
Mütter mit Babys vor einer Apotheke: Sie versuchen, Windeln zu bekommen.
Foto: CARLOS GARCIA RAWLINS / REUTERS
Dem ölreichsten Land der Welt geht das Benzin aus. Noch dramatischer ist aber, dass es viele Medikamente in Venezuela nicht mehr gibt.

Caracas.  Die Versorgungskrise in Venezuela spitzt sich weiter zu. Präsident Nicolás Maduro bat am Freitag (Ortszeit) die Vereinten Nationen um Hilfe angesichts von Engpässen bei Medikamenten. Er hoffe, mit der UN-Unterstützung sein Sozialprogramm im Gesundheitsbereich zu stärken, erklärte Maduro in einer Fernsehansprache.

Details nannte der Staatschef am Freitag nicht. „Ich habe sie um Unterstützung gebeten, um die Regelungen für Medikamente in Krankenhäusern zu verbessern“, sagte er lediglich. Der Pharmaverband des Landes schätzt, dass 85 Prozent der Arzneimittel nicht zu haben sind. Dabei geht es um einfache entzündungshemmende Mittel bis hin zu Präparaten für Chemotherapien.

Nur noch jede dritte Tankstelle hat Benzin

Seit über einem Jahr kommt es wegen der Versorgungskrise immer wieder zu langen Schlangen vor Supermärkten. Vor allem Grundnahrungsmittel, Hygieneartikel und Arzneimittel gibt es nicht ausreichend. Seit einigen Tagen ist in dem Erdölland auch Benzin knapp. Vor Tankstellen bilden sich lange Autoschlangen.

Von 290 Tankstellen in Caracas hatten in den vergangenen Tagen nur noch 90 Tankstellen Benzin. Venezuela hat zwar gewaltige Ölreserven, aber zu wenige funktionstüchtige Raffinerien, weshalb große Mengen Benzin importiert werden müssen.

Staatschef spricht von „Wirtschaftskrieg“

Der sozialistische Staatschef Maduro machte in seiner Fernsehansprache einen von Unternehmern, bürgerlicher Opposition und ausländischen Kräften geführten „Wirtschaftskrieg“ für die Lage im Land verantwortlich. Kritiker des linksgerichteten Präsidenten führen die Krise dagegen auf nicht funktionierende Preis- und Währungskontrollen zurück, die die Privatindustrie dezimiert hat.

Die Organisation Amerikanischer Staaten wird sich am kommenden Dienstag auf einer Sondersitzung mit der Lage in Venezuela beschäftigen, wie die Zeitung „El Universal“ in ihrer Onlineausgabe berichtete. 18 lateinamerikanische Staaten haben beantragt, über die Menschenrechtslage und die politische Krise in Venezuela zu debattieren.

Venezuela durchlebt unter anderem wegen des Ölpreisverfalls eine schwere Wirtschafts- und Finanzkrise. Die bürgerliche Opposition wirft der Regierung Misswirtschaft und einen diktatorischen Regierungsstil vor. Sie strebt eine vorzeitige Amtsenthebung von Präsident Maduro an. (epd/rtr)

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