Kraft lobt ihr Projekt „Kein Kind zurücklassen“

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD, l) und Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, ziehen in der Staatskanzlei in Düsseldorf eine Bilanz des Sozialprojekts «Kein Kind zurücklassen».
NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD, l) und Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, ziehen in der Staatskanzlei in Düsseldorf eine Bilanz des Sozialprojekts «Kein Kind zurücklassen».
Foto: dpa
NRW-Landesregierung will das Präventionsprojekt auf alle Kommunen in NRW ausweiten. Opposition kritisiert, Rot-Grün vertröste damit die Menschen auf die Zukunft.

Düsseldorf.  Es war ein wichtiger und viel beachteter Auftritt der Ministerpräsidentin. Nach einer Reihe von Negativschlagzeilen rund um die Silvester-Übergriffe von Köln und den unangenehmen Diskussionen über das „Schlusslicht NRW“ als Wirtschaftsstandort hatte Hannelore Kraft (SPD) am Donnerstag die Gelegenheit, über ihr wohl wichtigstes Projekt zu reden: „Kein Kind zurücklassen“. Das ist der Versuch, Kindern aus sozial benachteiligten Familien frühe Hilfen anzubieten. Und zwar von der Geburt bis zum Start in den Beruf. Erzieher, Lehrer, Sozialarbeiter, Mediziner, Jugendämter arbeiten dabei eng zusammen. 18 Städte und Kreise haben das vier Jahre lang ausprobiert, und die Ministerpräsidentin kam zu dem Schluss: „Vorbeugung funktioniert und lohnt sich.“

Das Problem dabei ist, dass sich die von der Landesregierung versprochene „Präventionsrendite“ noch nicht bemessen lässt. „Frühe Förderung wirkt. Aber nicht in drei oder vier Jahren, sondern langfristig“, erklärte unterstützend Brigitte Mohn vom Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, die das Projekt begleitet und mitfinanziert hat. Hannelore Kraft sprach daher mehrfach vom „langen Atem“, den man bei einem so großen Vorhaben eben brauche. Sie kündigte an, sämtliche NRW-Kommunen an dem Projekt zu beteiligen. Wann das passieren soll, ließ sie offen.

Dass „Kein Kind zurücklassen“ aber schon heute unmittelbar wirke, sei zu belegen. So sei es in Mülheim gelungen, das Risiko mangelnder Sprachentwicklung bei armen Kindern ohne Migrationshintergrund von 38 auf unter acht Prozent zu senken. Und zwar allein durch den Besuch einer besonders geförderten Kita und eines Sportvereins. In Düsseldorf sank der Anteil stark übergewichtiger Kinder seit 2010 um 19 Prozent, NRW-weit hingegen nur um zwei Prozent. In Gelsenkirchen kümmern sich Mediziner regelmäßig um die Zahngesundheit von Kindern in besonders benachteiligten Wohnquartieren. 1200 Jungen und Mädchen profitieren davon, heißt es.

Union und FDP erklärten Krafts Vorzeige-Projekt gestern für gescheitert. „Die Lebensbedingungen von Kindern sind heute schlechter als zu Beginn des Projekts. In NRW lebt fast jedes fünfte Kind von Hartz IV. In Gelsenkirchen ist es sogar fast jedes zweite Kind. Laut Paritätischem Wohlfahrtsverband hat NRW die höchste Armutsquote aller westdeutschen Flächenländer“, sagte Bernhard Tenhumberg, familienpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. Kraft rede sich die Bilanz schön, vertröste auf die Zukunft und könne nicht einmal einen zeitlichen Rahmen für die Ausweitung des Projektes nennen. Das sei „unseriös“, so Tenhumberg.

Kommune sieht Aufbruchstimmung

Uneingeschränkt unterstützt wurde die Regierungschefin allerdings von zwei CDU-Kommunalpolitikern. Thomas Hunsteger-Petermann, Oberbürgermeister von Hamm, sowie Wolfgang Spelthahn, Landrat in Düren, bedankten sich ausdrücklich für das Präventionsprogramm. „Sie haben Düren eine Aufbruchstimmung beschert“, lobte Spelthahn. Früher seien die Ausgaben für Soziales wie selbstverständlich jedes Jahr erhöht worden. Nun aber werde jede Maßnahme kritisch begleitet. Im Sozialbereich seien im Projektzeitraum 50 neue Stellen geschaffen worden, dennoch habe man zwei Millionen Euro einsparen können. Es wird mit etwas Zeitverzug eine deutliche fiskalische Entlastung durch ,Kein Kind zurücklassen’ geben“, sagte der Landrat.

 
 

EURE FAVORITEN