Konzerthaus Bochum – Ist der Bau sinnvoll?

DerWesten

PRO – von Jens Dirksen

Auf der anderen Straßenseite vom Ber­muda-Dreieck baut Bochum nicht noch ein Konzerthaus, nicht noch eine Philharmonie für durchreisende Spitzenorchester und Gesangsstars. Das wäre angesichts der Säle in Dortmund und Essen auch grob fahrlässig.

Bochum baut an dem Versuch, das eigene Symphonieorchester für die ganze Stadt fruchtbar zu machen, weit über regelmäßige Konzerte hinaus. Wenn sich in dem geplanten Kulturzentrum junge Musikschüler und Symphoniker begegnen, wenn eine Akademie für Interkultur hinzukommt und auch Streetart-Künstler wie die jungen „Urbanatix“-Artisten hier proben, entsteht Zukunft. Damit kann nicht nur am Publikum von morgen gearbeitet werden, sondern auch an Schlüsselqualifikationen, die durch kultu­relle Bildung zu erreichen sind – und die das Ruhrgebiet nach wie vor nötig hat.

Wenn es gelingt, aus dem Musikzentrum einen Ort des Lernens und des Fortschritts zu machen, sind auch die 6,5 Millionen Euro gut angelegt, die die Landesregierung nun aus dem Fonds der Europäischen Union für strukturschwache Gebiete nach Bochum fließen lassen will. Aber nur, wenn die Baukosten nicht höher ausfallen als veranschlagt.

CONTRA – von Tobias Bolsmann

Das vorweg: Wer jemals durch das zugige, räudige Uni-Parkhaus zum Silvester­konzert der Bochumer Symphoniker gehuscht ist, kann deren Wunsch nach einer eigenen Spielstätte nachvollziehen.

Aber: Dass die Landesregierung, die ­gerade die Neuverschuldung in die Höhe getrieben hat, einer Stadt, die auf unab­sehbare Zeit im Nothaushalt steckt, kulturell unter die Arme greift, ist eine finanz­politische Unvernünftigkeit.

Es ist nicht absehbar, dass 33,3 Millionen Euro reichen, um das Projekt zu realisieren. Wenn nicht, müsste Bochum selbst investieren. Und gerät noch tiefer in die Miesen.

Zweitens entstehen mit dem Musik­zentrum Betriebskosten für die Stadt. Das Land löst einen Widerspruch zur Gemeindeordnung aus, die freiwillige Ausgaben – wie Kultur – im Nothaushalt untersagt. Obendrein werden Bochum die Folgekosten für die Jahrhunderthalle aufgebürdet.

Dies alles vor dem Hintergrund, dass die Bezirksregierung in Arnsberg ihre Kontrollfunktion bislang sehr ernst genommen hat.

Schließlich: Mit diesem Schritt sendet das Land ein fatales Signal an andere Pleitestädte und ihre verzweifelten Sparbemühungen