Kölner Polizeichef Albers muss gehen

Köln/Düsseldorf.  Eine Woche nach den massenhaften sexuellen Übergriffen in der Kölner Silvesternacht hat NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) den Polizeipräsidenten Wolfgang Albers entlassen. „Meine Entscheidung war notwendig, um das Vertrauen der Öffentlichkeit und die Handlungsfähigkeit der Kölner Polizei zurückzugewinnen“, sagte Jäger. Der 60-jährige Sozialdemokrat Albers, der sich seit Tagen gegen einen Rücktritt gesperrt hatte, wurde in den einstweiligen Ruhestand versetzt.

Zuvor hatten sich Hinweise auf Flüchtlinge unter den Tätern weiter verdichtet. Die Kölner Polizei hat einige bei den Tumulten auf der Domplatte gestohlene Handys in Flüchtlingsheimen geortet. Insgesamt wird mittlerweile gegen 20 mutmaßliche Täter ermittelt.

Die Zahl der Anzeigen ist auf rund 170 gestiegen – drei Viertel davon wegen sexueller Übergriffe. Parallel meldete die Bundespolizei für ihren Zuständigkeitsbereich im und vor dem Kölner Hauptbahnhof 31 Tatverdächtige, darunter 18 Asylbewerber.

Albers’ Polizeiführung wird neben einer falschen Lageeinschätzung vorgeworfen, den Flüchtlingsbezug der Silvester-Überfälle zunächst vertuscht zu haben. In der „Wichtigen Ereignismeldung“, die für alle Führungsebenen bis hin zum Minister bestimmt ist, sei der Hinweis auf Asylbewerber unter den Verdächtigen sogar gegen den ausdrücklichen Protest des Einsatzleiters als „politisch heikel“ gestrichen worden. Die neue Kölner Oberbürgermeisterin Reker (parteilos) beklagte, sie sei über das vollständige Bild der Einsatznacht im Unklaren gelassen worden.

Hintergrund der Vertuschung könnte nach Informationen unserer Zeitung ein Erlass von Innenminister Jäger an die Polizei-Behörden sein, vom 1. Januar 2016 an bei Straftaten im Zusammenhang mit Asylbewerbern nur noch den Begriff „Zuwanderer“ zu gebrauchen und nicht mehr den Begriff „Flüchtling“.

 
 

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