"Koch hatte ein Glaubwürdigkeitsproblem"

Essen. Einen Wahlabend der Überraschungen sieht der Politikwissenschaftler Prof. Udo Vorholt von der Universität Dortmund.

Die erste Überraschung für ihn: die wahrscheinlich starke Niederlage von Hessens Ministerpräsident Roland Koch. Als Ursache macht Vorholt ein „Glaubwürdigkeitsproblem“ des Politikers aus. Die Themen, die Koch in den hessischen Wahlkampf gezogen habe, seien zu inszeniert gewesen. Zum Beispiel habe er einen Überfall aus München zum großen Thema in Hessen gemacht.

Die zweite Überraschung: das wahrscheinlich gute Abschneiden der hessischen SPD-Kandidatin Andrea Ypsilanti. Noch auf dem Landesparteitag 2006 hätten viele Mitglieder empfunden, dass sie zu neu, zu unerfahren und zu wenig in der Partei verankert sei. „Aber scheinbar hat sie den Nerv der Hessen getroffen, und mit ihren Themen gepunktet: Energie, Nachtflugverbot und Bildungspolitik.“

Die dritte Überraschung: der wahrscheinlich Einzug der Linken in Niedersachsen. Das hat Vorholt eher in Hessen erwartet. Aber: „Die SPD hat das Thema ,Soziale Gerechtigkeit’ plakatiert. Wahrscheinlich hat das allerdings erst die Linken auf den Plan gerufen. Die Leute müssen gedacht haben: Ich wähle lieber das Original als die SPD.“

Auswirkungen auf die Große Koalition der Landtagswahlen sieht Vorholt nur bedingt: „Wahlkampf ist Wahlkampf. Nun wird man wieder zu mehr Sachlichkeit zurückkehren.“ Wegen einiger Äußerungen im Wahlkampf, zum Beispiel von Peter Struck oder Ronald Pofalla, seien einige Gräben aber nur schwer zuzuschütten. Das Klima werde dadurch sicher nicht besser.

„Der Wahlkampf hat insgesamt aber eher Frau Merkel mit ihrer Ausrichtung zur Mitte und ihrem moderaten Stil Recht gegeben“, sagt Vorholt. Der eher präsidiale Wahlkampf von Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff sei allem Anschein nach mehr von den Wählern angenommen worden als der konfrontative Stil des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch.

„Die Große Koalition bleibt aber bis 2009“, davon zeigt sich Vorholt überzeugt. „Es gibt schließlich keine Alternative.“

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