Kirchenferne SPD-Genossen gründen Gruppe

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Essen. Der Arbeitskreis „Christen in der SPD“ bekommt Konkurrenz. Heute gründen in Berlin SPD-Mitglieder offiziell die Gruppe „Laizisten in der SPD“. Sie wollen eine strikte Trennung von Staat und Religion.

„Die SPD hat in der letzten Zeit ihre kritische Distanz zur Kirche verloren“, findet einer der Initiatoren der Laizisten-Gruppe, Nils Opitz-Leifheit. Ende des 19. Jahrhunderts gab es einen ausgeprägten atheistischen Flügel in der SPD. Erst mit den Überläufern aus der Gesamtdeutschen Volkspartei, die sich der SPD anschlossen – unter anderem Johannes Rau und Gustav Heinemann – näherte sich die SPD der Kirche an.

„Kirche ist nicht par excellence ein politischer Gegner“, stellt Opitz-Leifheit, parlamentarischer Berater der SPD für Agrar-, Umwelt- und Energiepolitik im baden-württembergischen Landtag, klar, „aber auch kein Kooperationspartner, der sich aufdrängt.“

Moslems und Buddhisten

Besonders gestört hat den Initiator die fehlende Kritik der SPD im Missbrauchsskandal der Kirche. Auch den Gegenwind der Sozialdemokraten, als Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit sich für einen Ethik- statt für einen Religionsunterricht aussprach, fand Opitz-Leifheit „nicht in Ordnung“. Denn genau das ist es, was die „Laizisten“ wollen. Auch die Theologenausbildung solle die Kirche tragen, nicht der Steuerzahler, so ein Vorschlag.

Rund 400 SPD-Mitglieder interessieren sich laut Opitz-Leifheit, selbst konfessionslos, für die „Laizisten“, die demnächst ein Arbeitskreis werden sollen. Ob der Parteivorstand dem Antrag auf einen Arbeitskreis zustimmen wird, ließ er auf NRZ-Anfrage offen. „Die Mehrheit ist konfessionslos, aber wir haben ebenso Juden, Moslems und Buddhisten“, sagt Opitz-Leifheit. Auch die ehemalige Bundestagsabgeordnete Ingrid Matthäus-Maier aus NRW ist dabei.

 
 

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