Kirchen erwarten für 2016 deutlich weniger Austritte

Ein Mann verlässt eine katholische Kirche.
Ein Mann verlässt eine katholische Kirche.
Foto: dpa
2014 verzeichneten die beiden christlichen Kirchen die größte Austrittswelle seit Jahren. Damals sorgte eine Umstellung des Steuereinzugs für großen Unmut. 2015 haben sich deutlich weniger Gläubige verabschiedet.

Essen. Die Kirchen rechnen für das abgelaufene Jahr mit deutlich weniger Austritten als noch 2014. Belastbare Zahlen für 2015 gibt es so kurz nach Jahresanfang zwar nur wenige. Wegen des komplizierten Meldewesens können Landeskirchen und Bistümer in der Regel erst in einigen Wochen ­offizielle Statistiken vorlegen. Schon jetzt aber gehen Vertreter der ­Kirchen in NRW von einem rück­läufigen Trend aus.

So verlor die Evangelische Kirche Westfalen nach vorläufigen Zahlen in den ersten neun Monaten 2015 durch Austritte rund 10 000 Mit­glieder und damit ein Drittel weniger als im Vergleichszeitraum 2014.

Auch das Ruhrbistum bestätigte diesen Trend. „In den ersten drei Quartalen des Jahres ist die Zahl der Austritte zurückgegangen“, sagte eine Sprecherin des Bistums auf Anfrage ­dieser Zeitung. Bei der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) glaubt man ebenfalls, dass sich die hohen Austrittszahlen von 2014 so nicht wiederholen. „Die Zahlen 2014 waren außerordentlich hoch“, ­sagte EKiR-Sprecher Jens Peter Iven dieser Zeitung.

Ein Grund zur Freude sind die rückläufigen Zahlen für die Kirchen, denen seit vielen Jahren die Gläubigen weglaufen, freilich nur bedingt. Denn die Ursache für den Trend ist eher profan. 2014 verzeichneten beide Kirchen die größte Austrittswelle seit Jahren.

Die Umstellung beim Einzug der Kirchensteuer auf Kapitalerträge hatte bei vielen Gläubigen offenbar für große Verunsicherung gesorgt, obwohl sich durch das automatisierte Kirchensteuerabzugsverfahren an der Steuer nichts geändert hatte. In der Folge stieg die Zahl der Kirchenaustritte in Deutschland ­jedoch auf Rekordniveau.

 
 

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