Kinderärzte warnen vor Kürzungen bei Notfallversorgung

Kranke Kinder und ihre Eltern brauchen künftig wohl mehr Zeit, einen Notdienst zu erreichen.
Kranke Kinder und ihre Eltern brauchen künftig wohl mehr Zeit, einen Notdienst zu erreichen.
Foto: Thorsten Lindekamp
Kinder- und Jugendärzte an Rhein und Ruhr schlagen Alarm. Bald könnte es in einigen Ruhrgebiets-Städten keine eigene Versorgung mit einem kinderärztlichen Notdienst mehr geben.

Essen.. In einigen Städten könnte es bald keine eigene Versorgung mit einem kinderärztlichen Notdienst mehr geben. Grund: die geplante Neuordnung des ärztlichen Notdienstes im Bereich der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein. Für zehn Millionen Menschen stünden außerhalb der Sprechstundenzeiten bald nur noch 15 Notdienstambulanzen im Bereich der KV bereit. Eltern müssten dann mit kleineren Erkrankungen des Nachwuchses oft in die überlasteten Kinderkliniken ausweichen.

Bis zu 400 Patienten pro Schicht

Der Vorschlag der zuständigen KV-Kommission sieht vor, dass es für Duisburg, Mülheim und Oberhausen nur noch eine Notdienstambulanz geben wird. Bislang, so Holger van der Gaag als Obmann der Mülheimer Kinderärzte zur WAZ, gibt es in jeder der drei Städte einen Dienst. Für Zweidrittel der Bevölkerung in den drei Städten bedeute dies deutlich längere Fahrzeiten mit ihren kranken Kindern zum Arzt.

Der Vorschlag steht am Mittwoch bei der KV-Vertreterversammlung zur Abstimmung. Hintergrund ist der Versuch, besonders in ländlichen Gebieten Ärzte aller Fachgruppen von der hohen Zahl der Notdienste zu entlasten und die Attraktivität des Landarzt-Berufs zu erhöhen. In einzelnen Bereichen, etwa im Kreis Kleve, kommt es laut KV-Sprecher durch die Reform zu einer verbesserten Versorgung.

Ein Drittel aller Notdienstbesuche entfallen auf die Kinderärzte. Zu Grippezeiten kommen pro Schicht bis zu 400 Patienten in die Notfallambulanz, so der Essener Kinderarzt-Ombudsmann Engelbert Kölker zur WAZ.

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