Katzen retten, Türen öffnen - Bagatellen belasten Feuerwehr

Wenn Tiere in Gefahr sind, dann rückt die Feuerwehr aus. Das sei auch unstrittig, sagt der Feuerwehr-Verband. "Der Wellensittich oder die Katze im Baum fallen aber nicht darunter", findet der Verbandssprecher.
Wenn Tiere in Gefahr sind, dann rückt die Feuerwehr aus. Das sei auch unstrittig, sagt der Feuerwehr-Verband. "Der Wellensittich oder die Katze im Baum fallen aber nicht darunter", findet der Verbandssprecher.
Foto: dpa
Nach der Polizei klagt nun auch die Feuerwehr in NRW über Einsätze, die nicht zu ihren Aufgaben gehören. Rund 25 Prozent davon hätten lediglich „Bagatell-Charakter“, kritisiert der Landesverband und fordert eine Überarbeitung des Einsatz-Katalogs für Feuerwehrleute.

Düsseldorf.. Die Feuerwehr in NRW will von überflüssigen Aufgaben entlastet werden. Zu oft werde sie zu Einsätzen gerufen, die auch von anderer Stelle geleistet werden könnten, so der Landesverband. Mit der aktuellen Gesetzesreform müsse deshalb der Einsatz-Katalog für Feuerwehrleute reduziert werden.

Abgesehen von Rettungsdienst-Fahrten, die das Gros der täglichen Arbeit ausmachen, haben rund 25 Prozent aller Feuerwehr-Einsätze lediglich „Bagatellcharakter“, sagte Geschäftsführer Christoph Schöneborn. Die Rettung eines gefährdeten Tieres etwa sei zwar Sache der Feuerwehr und auch unstrittig. „Der Wellensittich oder die Katze im Baum fallen aber nicht darunter“, so Schöneborn, „dafür sehen wir keine Zuständigkeit“.

Feuerwehren beseitigen Ölspuren auf der Straße

Dennoch müsse die freiwillige oder die Berufsfeuerwehr außer bei Bränden, Unglücksfällen oder öffentlichem Notstand immer wieder schnell eingreifen, selbst wenn keine Gefahr im Verzug sei. Schöneborn nannte weitere Beispiele:

  • Ölspuren auf der Straße müssen nur in NRW als Folge eines Gerichtsurteils fast ausschließlich von der Feuerwehr beseitigt werden, obwohl sie dafür oft nicht optimal ausgerüstet sei. Der Landesverband verlangt, diese Aufgabe per Gesetz an die Bauhöfe der Kommunen oder Fachunternehmen zu übertragen.
  • Immer öfter werde die Feuerwehr alarmiert, um Wohnungstüren aufzubrechen, die alte oder kranke Menschen von innen nicht mehr öffnen können. Diese Einsätze nehmen laut Schöneborn „rapide“ zu, weil die soziale Kontrolle unter Nachbarn nicht mehr funktioniere.
  • Der Anteil fettleibiger Patienten steigt. Mit ihrem Transport sei die zweiköpfige Besatzung eines Rettungswagens aber oft überfordert, so dass Verstärkung angefordert werden muss.

Vorsorgen für mögliche Engpässe

Der Verband ließ keinen Zweifel daran, dass die Sicherheit der Bürger Vorrang habe. „Wenn jemand die 112 wählt, kommen wir“, so Schöneborn. Da aber geburtenschwache Jahrgänge nachrücken, müsse auch für mögliche Engpässe bei der ehrenamtlichen Feuerwehr vorgesorgt werden. Nach der Gesetzesänderung sollen dort auch sechsjährige Kinder eintreten dürfen.

In NRW haben die Feuerwehren im vorigen Jahr 15.564 Menschen aus Notlagen gerettet. Über 37.100 Mal rückte sie aus, um Brände zu löschen. Bei Wohnungsbränden starben 62 Menschen, zehn mehr als im Jahr zuvor.

 
 

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