Katalonien beendet Stierkampf-Tradition

Der spanische Torero José Tomas. Foto: ap
Der spanische Torero José Tomas. Foto: ap
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Ein kleiner Lichtblick für Tierschützer: In Katalonien sind Stierkämpfe nicht mehr erlaubt. Auch im restlichen Spanien verliert der umstrittene Brauch immer mehr Anhänger.

Barcelona. Die Stierkampfgegner vor der Arena jubelten, die Toreros auf dem Stierkampf-Platz weinten. Nach dem letzten Stierkampf in der nordspanischen Region Katalonien schäumten die Emotionen vor jener historischen Riesenarena in der katalanischen Hauptstadt Barcelona, in welcher für immer die Lichter ausgingen.

Als Amigos und Feinde der alten spanischen Tradition auf der Straße zusammentrafen, flogen Fäuste und Beleidigungen. „Freiheit, Freiheit“, brüllten knapp 20 000 Menschen in Barcelonas Arena „La Monumental“, in der fast 100 Jahre lang mit blutigen Stierkämpfen das Volk unterhalten wurde. Die drei Toreros José Tomas, Serafin Marin und Juan Mora, welche die letzten Stiere töteten, wurden gefeiert und auf Schultern von dem Sandplatz getragen.

Die Tierschützer ließen derweil draußen vor den Toren des Stierkampf-Ringes die Sektkorken knallen. Denn mit der Freiheit für den Stierkampf ist es in Katalonien nun vorbei. Das katalanische Regionalparlament hat diese umstrittenen Kämpfe zwischen Bullen und Toreros verboten.

Nur die Stiertreiben sind in der rebellischen Region, zu der auch die beliebte Urlaubsküste Costa Brava gehört, noch erlaubt. Bei den Stierhatzen werden die Bullen, manchmal mit brennenden Hörnern und oft bis zur Erschöpfung, durch die Dörfer gejagt.

Stierhatz bleibt erlaubt

Jetzt blasen die Gegner der fragwürdigen Stier-Spektakel zum Angriff auf die noch erlaubten Stierfeste: „Wir sind zufrieden, weil der heutige Tag in Katalonien eine Tür der Hoffnung öffnet“, sagt Aida Gascon, Sprecherin der Tierschutzbewegung Anima Naturalis. Nun werde man dafür eintreten, dass auch die Stiertreiben und die Stierkämpfe in ganz Spanien verbannt werden.

Im gesamten spanischen Königreich werden laut Gascon jedes Jahr immer noch 12 000 Kampfstiere „zu Tode gequält“. Hinzu kommen weitere 3000 Bullen, die „Opfer der Stiertreiben“ auf den Dörfern werden - „Volksfeste, welche manchmal sogar noch grausamer“ als die eigentlichen Stierkämpfe seien.

Früher waren Toreros Idole, heute sind es die Fußballspieler

Im eigenwilligen Katalonien, das politisch auf immer größere Distanz zu Spanien geht, war der als „typisch spanisch“ geltende Stierkampf schon länger nicht mehr besonders beliebt. Aber auch im restlichen Spanien verliert diese Stier-Fiesta zunehmend Anhänger, vor allem in der jungen Generation.

„Früher waren die Toreros noch Idole“, sagte bedauernd der katalanische Maler und Stierkampf-Fan Joan Pere Viladecans bei der Abschiedsvorstellung der Toreros in Barcelona. „Heute werden die Formel-1-Fahrer und Fußballspieler angehimmelt.“

 
 

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