Karsai will US-Truppen aus Afghanistan werfen

Offenbar nicht mehr erwünscht: US-Soldaten in Afghanistan. Foto: afp
Offenbar nicht mehr erwünscht: US-Soldaten in Afghanistan. Foto: afp
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Überraschende Wende in Afghanistan: Präsident Hamid Karsai hat die USA gestern aufgefordert, ihre Militäreinsätze im Land drastisch einzuschränken und die internationalen Truppen ein Jahr früher als abgemacht abzuziehen: 2013 statt Ende 2014.

Washington.. „Wir sind bereit, alle Sicherheitsverantwortung für das Land zu übernehmen“, sagte Afghanistans Präsident Hamid Karsai nach einem Gespräch mit US-Verteidigungsminister Leon Panetta im Nachklang des Massakers eines US-Feldwebels an 16 afghanischen Zivilisten. Der Vorfall hatte wütende Proteste in Afghanistan ausgelöst.

Noch am Vortag hatte Präsident Barack Obama in Washington gemeinsam mit dem britischen Premierminister David Cameron bekräftigt, dass es bei dem innerhalb der Nato vereinbarten Abzugsszenario bis Ende 2014 bleibe. Hauptargument: Die Ausbildung von afghanischen Soldaten und Polizisten brauche noch Zeit. Außerdem seien die aufständischen Taliban noch nicht überall besiegt. Derzeit sind 90 000 US-Soldaten am Hindukusch stationiert. In diesem Sommer wird die Zahl planmäßig auf 68 000 reduziert.

US-Regierungskreise: „Weg für die Taliban wird freigemacht.“

Karsais Vorstoß sorgte in Regierungskreisen in Washington für „Rätselraten“. Vor allem die Aufforderung, die USA müssten ihre Soldaten aus den afghanischen Dörfern vollständig zurück in die Stützpunkte beordern, stieß auf „Verwunderung“. Damit mache man unmittelbar vor Beginn der traditionellen Frühjahrs-Offensive „den Weg frei für die Taliban und eine Verschlechterung der Sicherheitslage“, sagte ein Regierungsbeamter inoffiziell auf Nachfrage.

Die Taliban reagierten prompt auf die neue Entwicklung. Sie sagten mit der US-Regierung vereinbarte Verhandlungen über eine Auslieferung mehrerer Taliban-Führer aus dem Hochsicherheitsgefängnis Guantanamo/Kuba in das Emirat Katar ab. Die Gespräche galten als Prüfstein für eine künftige Beteiligung moderater Taliban an der Macht in Afghanistan. Unterdessen wurde der 38-jährige US-Soldat, der in Kandahar 16 Menschen, darunter neun Kinder, kaltblütig erschossen hatte, aus Afghanistan in ein Militärgefängnis in Kuweit ausgeflogen.

 
 

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